Klinikum Memmingen informiert über gesundheitliche Risiken bei Fernreisen

Dr. Christoph Pöhlmann  Foto: Klinikum Memmingen

Dr. Christoph Pöhlmann – Foto: Klinikum Memmingen

Hygiene-Chefarzt informiert, mit welchen Krankheiten sich Touristen durch ungewohnte klimatische oder hygienische Verhältnisse anstecken können

Über die gesundheitlichen Risiken bei Fernreisen informierte jetzt Hygiene-Chefarzt Dr. Christoph Pöhlmann vom Klinikum Memmingen bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung.

„Ich persönlich bin kein großer Fan von Fernreisen“, sagte Hygiene-Chefarzt Dr. Christoph Pöhlmann gleich zu Beginn der Veranstaltung. „Dennoch möchte ich niemandem hier im Saal Angst machen.“

Risiken für Reisende entstünden meist durch schlechte hygienische Verhältnisse in Ländern wie Afrika oder Fernost, sowie aufgrund klimatischer Bedingungen in tropischen oder subtropischen Ländern.

„Ich rate jedem Fernreisenden, sich idealerweise schon ein halbes Jahr vor der Abreise tropenmedizinisch beraten zu lassen“, betonte Pöhlmann. In Frage kämen hier das Tropeninstitut der Ludwig-Maximilians-Universität München oder die Abteilung für Reisemedizin an der Uniklinik Ulm.

„Hier können sie auch gleich die entsprechenden Impfungen durchführen lassen.“

Da zwischen den einzelnen Impfungen zum Teil zeitliche Abstände von bis zu vier Wochen eingehalten werden müssten, sei es wichtig, rechtzeitig mit den empfohlenen Impfungen zu beginnen, so Pöhlmann.

Die häufigsten „importierten“ Erkrankungen von Tropenrückkehrern seien Durchfall-Erkrankungen – vor allem bei Reisen nach Afrika, Südostasien oder Zentralamerika. „Bekannte Durchfallerreger wie Salmonellen, Camphylobacter oder EHEC nimmt man meist beim Essen auf.“ Vor der Mahlzeit solle man deswegen gründlich die Hände waschen und gegebenenfalls desinfizieren. „Vermeiden Sie auch rohe Speisen wie Salate oder halbgegarte Meeresfrüchte und verzichten Sie auf Obst, das man nicht schälen kann.“ Auch solle man kein Leitungswasser trinken und das Wasser zum Zähneputzen abkochen oder abgepacktes Mineralwasser verwenden.

„Hält der Durchfall länger als 48 Stunden an, bitte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Auch bei blutigem Durchfall“, betonte der Hygiene-Chefarzt.

Das zweithäufigste Symptom bei Fernreisen sei Fieber: „Tritt bei Aufenthalt in einem Malariagebiet bei Ihnen nach einer Woche Fieber auf, dann gehen Sie bitte immer von Malaria aus, bis das Gegenteil bewiesen ist“, unterstrich Pöhlmann. Die gefährlichste Form sei die Malaria Tropica, an der man auch sterben könne. Symptome seien neben Fieber vor allem Kopfschmerzen, Schweißausbrüche oder Erbrechen. Eine medikamentöse Malariaprophylaxe werde vor allem für die meisten afrikanischen Länder, für Mittelamerika und Teile Asiens empfohlen – zum Teil in Abhängigkeit von der Jahreszeit. „Hier gilt es sich rechtzeitig zu informieren“, betonte der Chefarzt. Allerdings schütze diese Prophylaxe nicht hundertprozentig vor einer Infektion mit dem Malaria-Erreger, der durch die Anopheles-Mücke übertragen wird. Wichtig sei deswegen auch, auf einen umfassenden Mückenschutz zu achten.

„Auch das Dengue-Fieber und das Geldfieber werden durch Mücken übertragen“, so Pöhlmann. „Langärmlige, helle, dicht abschließende aber nicht zu enge Kleidung, damit die Mücken nicht durchstechen können“, sei sinnvoll. Zum Schlafen solle man ein Moskitonetz verwenden.

„Auch das Baden in stehenden Gewässern sollten Sie vermeiden. Denn hier ist das Infektionsrisiko durch die zahlreichen Mückenbrutstätten sowie im Wasser vorkommende Parasiten besonders groß.“

Bei Reisen in Länder mit niedrigem hygienischem Standard wie Süd-, Osteuropa oder tropische Regionen sei es zudem wichtig, sich gegen Hepatitis A impfen zu lassen: „Denn auch daran kann man – wenn auch in seltenen Fällen – sterben.“ Hepatitis A werde fäkal-oral durch Kontakt- oder Schmierinfektion übertragen. Infektionsquellen seien kontaminiertes Trink- oder Badewasser sowie kontaminierte Lebensmittel wie Muscheln oder mit Fäkalien gedüngtes Gemüse.

Dagegen sei das Risiko, an Cholera zu erkranken, für den „normalen“ Touristen sehr gering. „Das betrifft eher Entwicklungshelfer in Überschwemmungsgebieten oder in Flüchtlingslagern.“ Allerdings könne man hier mit einer Schutzimpfung vorbeugen.

Treten nach einer Reise gesundheitliche Probleme auf, sei es wichtig, beim Arzt anzugeben, dass man im Ausland war. „Denn es kann gut sein, dass Sie nicht automatisch danach gefragt werden“, so der Hygiene-Chefarzt.


 

Zur Person

Dr. Christoph Pöhlmann studierte in Würzburg Chemie und Medizin. Als Arzt im Praktikum forschte er am renommierten Karolinska-Institut in Stockholm, eine von Europas angesehensten medizinischen Universitäten.
Seinen Facharzt in Medizinischer Mikrobiologie machte Pöhlmann an der Technischen Universität Dresden. Bevor er im Januar 2016 Chefarzt am Klinikum Memmingen wurde, arbeitete Pöhlmann als Krankenhaushygieniker und Oberarzt im Zentrallabor am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart.