Klinikum Memmingen – Im Mittelpunkt steht die Lebensqualität, nicht die Lebensdauer

Vor fünf Jahren wurde die Palliativstation für unheilbar kranke Menschen eröffnet

Foto: Klinikum Memmingen

Foto: Klinikum Memmingen

„Man muss die Verzweiflung des Patienten aushalten können“, schildert Stationsleiterin Angela Ludwig von der Memminger Palliativstation, deren fünfjähriges Bestehen jetzt gefeiert wurde. Auf der Sechs-Betten-Station im Klinikum Memmingen erfahren Patienten mit einer nicht heilbaren, stark fortgeschrittenen Erkrankung eine ganzheitliche Behandlung und Pflege.

„Man muss auch die Stille und das Sterben aushalten können“, sagt Stationsleiterin Ludwig, die mit einem multidisziplinären Team Symptome wie Schmerzen, Atemnot, Erbrechen, Schlafstörungen oder Angst lindert.

„Die Arbeit ist anstrengend und auslaugend, aber auch bereichernd und befriedigend – sowohl für das Personal, als auch für die Patienten“, beschreibt Ludwig. „Jeder Tag ist anders und man muss lernen, Gefühlsausbrüche der Patienten nicht persönlich zunehmen.“

Rund 800 Patienten sind in den vergangenen fünf Jahren auf der Palliativstation im Klinikum Memmingen versorgt worden. Neben einer medizinischen Behandlung durch speziell ausgebildete Ärzte und Pflegekräfte werden Kranken- und Atemgymnastik, Kunst-, Musik- und Entspannungstherapie, eine psychoonkologische sowie eine seelsorgerische Betreuung angeboten.

„Eine weitere wichtige Säule ist der Sozialdienst“, beschreibt Ludwig. „Hier geht es meist um Beratung, wie etwa die weitere häusliche Versorgung unserer Patienten, die gut geplant und vorbereitet werden muss.“

Für den Bau einer Palliativstation hatte der Ärztliche Direktor am Klinikum Memmingen, Professor Dr. Albrecht Pfeiffer, bereits vor 15 Jahren gekämpft, wie er rückblickend erzählt: „Aber damals war die Zeit noch nicht reif.“ Heute sei die Station „sehr gut akzeptiert“ und hinsichtlich der Patientenversorgung nicht mehr wegzudenken: „Die Einführung der Palliativstation ist aus ärztlicher und humanitärer Sicht die größte Errungenschaft, die ich in meiner über 30-jährigen beruflichen Tätigkeit erleben durfte.“

Als im November 2009 die Palliativstation eröffnet wurde, sei das Konzept der Palliativmedizin für viele Patienten und Angehörige neu und unbekannt gewesen, schildert Oberarzt Dr. Matthias Missel. „Viele dachten, die Palliativstation sei eine reine Sterbestation. Aber das ist nicht so. Auch wenn im Zentrum unserer Bemühungen die Lebensqualität statt die Lebenserhaltung um jeden Preis steht.“

Rund 35 Prozent der Patienten sterben laut Missel auf der Palliativstation. Etwa 60 Prozent könnten nach Hause entlassen werden.

„Wichtig ist, dass die weitere ambulante Versorgung geregelt ist und der Patient entsprechend seiner Erkrankung versorgt werden kann“, betont Missel. Falls erforderlich, kümmert sich – neben dem Hausarzt und der bereits bestehenden ambulanten Pflege – ein spezialisiertes, ambulantes Palliativteam der gemeinnützigen Pallium GmbH um die Patienten: „Hinter Pallium, das vom Sankt Elisabeth Hospizverein und der Memminger Diakonie getragen wird, verbirgt sich ein kleines, hochmotiviertes Team, das medizinisch und pflegerisch top qualifiziert ist und an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr zur Verfügung steht,“ erklärt Oberarzt Dr. Thomas Roth, Vorsitzender des St. Elisabeth Hospizvereins. Das Pallium-Team setzt sich zum Teil aus ehemaligen oder noch aktiven Mitarbeitern der Memminger Palliativstation zusammen.