Kissinger kritisiert NSA in Spionageaffäre

Anti-NSA-Aufkleber, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Anti-NSA-Aufkleber, über dts Nachrichtenagentur

Berlin – Vor dem Hintergrund der angeschlagenen Beziehungen zwischen den USA und Deutschland kritisiert der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger den Geheimdienst NSA: Zwar habe „über die Daten­sammel­wut der NSA“ in Berlin jeder Bescheid gewusst, so Kissinger im Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Doch: „Es gab ganz klar unautorisierte Aus­nahmen. Dass auch Frau Merkel abgehört wurde, war völlig falsch und unverzeihlich“, so der 91-Jährige.

„Eine Freundschaft hat Bestand, wenn sie sich über Kontroversen hinwegsetzen kann. Die wahre Frage ist doch: Sind wir noch immer zutiefst überzeugt, dass Deutschland und die USA einen gemeinsamen Weg gehen?“ Kissinger forderte die beiden Länder zudem auf, eine Vision für einen neuen gemein­samen Weg aufzubauen. Das Freihandelsabkommen TTIP könnte in seinen Augen dabei behilflich sein: „Ich bin sehr für TTIP und hoffe, dass das Abkommen dieses Jahr unterschrieben wird. Die überragende Herausforderung für den Westen ist eine Aufgabe, die man gemeinsam ausführen kann und die die Richtung für eine wohlhabende und friedliche Welt definiert. Der Marshall-Plan hatte dieselben Attribute“, sagte Kissinger dem „Focus“. Zur Währungskrise in Europa sagte Kissinger: „Die Geschichte des Euro ist eine Ironie.“ Zwei Kriege seien ausgefochten worden, „um den aktuellen Zustand zu vermeiden, einen Zustand, wo so viele Deutschland beschwören, dominant zu sein.“ Helmut Kohl und Francois Mitterrand dagegen hätten den Euro zumindest zum Teil eingesetzt, um die Sorge der Europäer vor deutscher Dominanz zu lindern. Kissinger, der in Fürth zur Welt kam und 1938 vor den Nazis in die USA floh, rät Deutschland, die Rolle anzunehmen – dabei allerdings Europa nicht allein den Weg zu weisen: „Deutschland wäre klüger, die führende Rolle gemeinsam mit Frankreich oder gemeinsam mit Frankreich und England zu übernehmen.“

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