Kempten – Versuchtes Tötungsdelikt zum Nachteil von drei Polizeibeamten

Lkrs. Ostallgäu/Günzach/Kempten/Allgäu + 21.03.2014 + 14-0418

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Wie aus der Medienberichterstattung bereits bekannt, kam es am Freitag Nachmittag, 21.03.2014, gegen 14.26 Uhr, in einem Zug auf der Strecke von Kaufbeuren nach Kempten zu einem Tötungsversuch an drei Polizeibeamten

Zwei Beamte der Bundespolizei kontrollierten zwei Reisende, von denen einer – wie sich herausstellte – zur Festnahme ausgeschrieben war. Bevor die Beamten die Festnahme durchführen konnten, schoss einer der Männer – vermutlich mit einer nicht als solche erkennbaren Schreckschusspistole – ohne Vorwarnung auf einen der Beamten. Die Beamten flüchteten aus dem Abteil. Es gelang den beiden Tätern jedoch, einem der Beamten nachzusetzen, ihn niederzuschlagen und seine Dienstwaffe zu entwenden.


Aus dieser Waffe wurde dann in der Folge auf den zweiten Beamten geschossen, der eine Schussverletzung am Bein erlitt. Ein zweites Projektil traf die Schutzweste des Beamten, die ihn vor einer möglicherweise tödlichen Verletzung bewahrte.
Ein zufällig im Zug mitreisender Beamter des Bayerischen Landeskriminalamtes eilte seinen Kollegen zu Hilfe und sorgte dafür, dass sich die Reisenden nach rückwärts in die hinteren Waggons und damit aus der Gefahrenzone begaben. In einem Zwischenabteil zwischen zwei Waggons traf man auf die beiden Täter, wobei einer der Täter seine Waffe in Anschlag brachte und ankündigte, den Beamten zu erschießen. Nach der mehrmaligen erfolglosen Aufforderung, die Waffe niederzulegen, machte der Polizeibeamte von seiner Schusswaffe Gebrauch.
Unmittelbar danach sprangen beide Täter aus dem mit etwa 80 – 100 km/h schnell fahrenden Zug. Hierbei wurde einer der Täter vom Zug überrollt und war sofort tot. Der zweite Täter wurde durch den Aufprall schwer verletzt. Der Zugführer eines entgegenkommenden Zuges entdeckte den Leichnam auf dem Gegengleis und alarmierte die Rettungskräfte.
Durch das Öffnen der Türen wurde eine automatische Notbremsung ausgelöst, der Zug kam auf freier Strecke in einem Waldgebiet zum Stillstand. Bei dieser Gelegenheit flüchteten mehrere Fahrgäste des mit rund 300 Personen besetzten Zuges in den nahen Wald. Diese Personen fanden Hilfe in einem nahen Anwesen und wurden von dort aus nach Kempten gebracht. Aus taktischen Gründen wurde die Fahrt des Zuges wenige Minuten nach dem Nothalt fortgesetzt und endete ohne weitere Zwischenstopps am Bahnhof in Kempten, wo die Passagiere von einem Großaufgebot an Einsatzkräften, darunter auch Angehörige des KIT, in Empfang genommen und betreut wurden.
Die beiden Beamten der Bundespolizei sowie der schwerverletzte Täter kamen in Krankenhäuser zur Versorgung ihrer Verletzungen. Einer der beiden Beamten konnte noch am Abend des 21.03.2014 nach Behandlung der Platzwunde wieder aus der Klinik entlassen werden. Der zweite Beamte wird noch einige Tage stationär im Krankenhaus verbleiben; er befindet sich nicht in Lebensgefahr.
Am Auffindeort der Leiche und im Zug wurden noch in den Nachstunden des 21.03.2014 umfangreiche Absuch- und Spurensicherungsmaßnahmen durch Erkennungsdienstbeamte aus Kempten und München durchgeführt, die im Laufe des 22.03.2014 fortgeführt werden. Sämtliche Waffen aller beteiligter Personen konnten aufgefunden werden; die Untersuchungen an den Schusswaffen werden durch Experten des Landeskriminalamtes vorgenommen.
Der verletzte Täter liegt im Koma, sein Zustand ist stabil, akute Lebensgefahr besteht im Moment nicht mehr. Derzeit laufen die Bemühungen zur eindeutigen Identifizierung des zu Tode gekommenen Täters mit Hochdruck; das Institut für Rechtsmedizin in München ist in die Untersuchung eingeschaltet, wo am Nachmittag des 22.03.2014 auch die Obduktion erfolgt.
Die Ermittlungen werden durch die StA Kempten und das PP München geführt. Der polizeiliche Schütze wird durch seine Dienststelle betreut.
Die Ermittlungen dauern an.
Fahndungsaufruf: Zugpassagiere, die Wahrnehmungen im Zusammenhang mit den Geschehnissen gemacht haben und deren Personalien noch nicht durch die Polizei vermerkt wurden, werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden.



 

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