Kempten – Schandmaul – UNENDLICH

Foto: Erik Weiss

Foto: Erik Weiss

Datum:   13.11.2014
Uhrzeit:   20.00 Uhr
Ort:   bigBOX Allgäu in Kempten

In der akut wieder sehr populären Welt des Folkrock sind Schandmaul so etwas wie die große Samstagabend-Show: der Dauerbrenner seit 15 Jahren, voller Rituale, spannender Einlagen, beliebter Ehrengäste, mit einem vogelfreien Entertainer namens Thomas (Lindner) – das Spektakel für die ganze Familie, ob Punk-Enkel, Rittersmann, Ökobraut, Gothic-Girl oder Anzugonkel. Die Münchner Gruppe ist ein Garant für höchste Quoten. Konzerte sind Festtage für die zahlreichen Anhänger von der Nordsee bis zum Mittelmeer, die letzten Alben landeten allesamt in den Top-Ten. Band und Publikum wachsen zusammen, wachsen weiter: „Unendlich“, wie die neue Platte verheißt.
Der Fan weiß, was er bekommt: erstklassige Spielmannskunst, lebenslustigen Folk, donnernden Rock und magische Mittelalterklänge. Doch jedes Album ist auch eine Wundertüte. Vor einer Weile waren die Musiker „alle schwer verliebt“, so Thomas Lindner. Daher drängte es sie auf ihrem bis dahin erfolgreichsten Album „Traumtänzer“, die traute Zweisamkeit in einer Flut von Balladen zu verewigen. Verliebt sind sie noch immer, doch nun auch fröhlicher, flotter, frischer, trunkener, erzählfreudiger, geselliger. Schandmaul feiern wieder in großer Runde. Mit den Tippelbrüdern etwa, den Handwerksleuten auf der „Walz“. Ein alter Brauch, der sich wie die Musik und die Geschichten von Schandmaul auch im Hier und Heute noch abspielt. Wie die reisenden Gesellen atmen die rockenden Gefährten die Freiheit.
Die Single des Albums beruht auf einer ergreifenden wahren Erlebnis: Martin Duckstein beschreibt darin die Beerdigung einer alten Freundin. Die Frau ließ den Pfarrer einen Brief vorlesen: „Macht Euch keinen Kopf, weint nicht, das Leben war schön.“ Große Gefühle und noch größere Geschichten haben es Thomas Lindner seit eh und je angetan. So fügen Schandmaul ihrer Trilogie über die Nibelungen einen weiteren Teil an, das Prequel zur Sage um Siegfrieds Vater und ein Zauberschwert. „Es ist das größte Epos, das wir haben“, sagt Lindner.
Allen, die das falsch verstehen wollen, obwohl es bei Schandmaul eigentlich rein gar nichts misszuverstehen gibt, sendet die Gruppe mit „Bunt und nicht braun“ eine eindeutige Botschaft. Damit beziehen Schandmaul zum ersten Mal politisch Stellung gegen rechte Tunichtgute, die im Fahrwasser vieler deutschsprachiger Bands fischen. „Wir sehen uns als Unterhaltungskapelle“, stellt Linder klar, „eine Band, die verbinden will: Menschen, Musikstile, Lebensstile“. Oder wie es in dem Lied heißt: „Wir spielen für die Freiheit, gegen genormtes Sein! Auf unserem Kreuzzug für mehr Toleranz laden wir ein . . . „

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