Kaufbeuren – Akutbehandlung als Teamarbeit

BKH Kaufbeuren - Stroke Unit - Gespräch BZP + Düll 2

Die Kaufbeurer Neurologie ist die größte Akut-Klinik ihrer Art im bayerischen Allgäu. Ihre Stroke Unit bietet beste Therapiemöglichkeiten

Bis 2009 war die Neurologie räumlich am Kaiserweiher untergebracht. Dann ging es hinüber ins Klinikum – zunächst in das Multifunktionsgebäude, dann ins Haupthaus. Jetzt – gut drei Wochen nach der Einweihung des Kaufbeurer Klinikums – ist auch die Neurologische Klinik an ihrem endgültigen Standort angekommen. Die knapp 50 Betten befinden sich nun auf einem Stockwerk innerhalb des Allgemeinkrankenhauses, wo ein multiprofessionelles Team pro Jahr mehr als 2000 Patienten mit allen neurologischen Erkrankungen behandelt. Damit ist die Einrichtung der Bezirkskliniken Schwaben nicht nur die traditionsreichste, sondern auch die größte Akut-Neurologie im bayerischen Allgäu.

Ein wichtiger Bestandteil bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten ist die „Stroke Unit“. Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert, zugleich Verwaltungsratsvorsitzender der Bezirkskliniken, und Vorstandsvorsitzender Thomas Düll besuchten diese stationäre Sondereinrichtung und nutzten bei einer kleinen internen Feier die Gelegenheit, mit den dort Beschäftigten ins Gespräch zu kommen. Der Ärztliche Direktor der Kaufbeurer Neurologie, Professor Dr. Martin Hecht, berichtete, dass man auf der „Stroke Unit“ den Standard einer Intensivstation erreicht habe. Nur beatmet werde hier nicht. Das übernehmen, wenn erforderlich, die Kollegen vom Klinikum. Eine große Station, in die die zertifizierte Stroke Unit für die akute Schlaganfallbehandlung integriert ist, garantiere eine übergangslose Betreuung innerhalb der Klinik. „Die Behandlung der Patienten ist Teamarbeit“, unterstrich Hecht. Vergangenes Jahr seien dort 681 Schlaganfall-Patienten fachkundig versorgt worden. Mehr als 120 Mal seien im zurückliegenden Jahr dabei Blutgerinnsel in Blutbahnen medikamentös aufgelöst worden (Lyse-Therapie). „Damit sind wir besser als im bayerischen Durchschnitt“, meinte der Chefarzt nicht ohne Stolz.

Die Neurologische Klinik ist Stufe-2-Klinik im Schlaganfallnetzwerk NEVAS, das den südwestlichen Teil Bayerns betreut. Hecht: „Das bedeutet, dass Kaufbeuren einerseits hilfestellende Klinik für umgebende Krankenhäuser ist, andererseits einzelne Patienten effizient an die Stufe-3-Kliniken Günzburg und München-Großhadern weiterleiten kann.“

Reichert gratulierte dem Team zu den gelungenen Räumen und lobte die Entwicklung der Neurologie in Kaufbeuren. „Jeder weiß, was es für Auswirkungen hat, wenn man bei einem Schlaganfall nicht vollumfänglich und zeitnah behandelt wird“, gab der Bezirkstagspräsident zu bedenken. Das weitgehend flächendeckende Konzept in Schwaben stelle jedoch die Grundlage für die erfolgreiche Wiedergenesung der Patienten dar.

Düll bezeichnete die Konstellation, dass ein fremder Träger – die Bezirkskliniken Schwaben – mit einem somatischen Fach – der Neurologie – in einem Allgemeinkrankenhaus – dem Klinikum Kaufbeuren – beheimatet ist, als „bayernweit ziemlich einmalig“. „Die Patienten, die optimal versorgt werden wollen, und ihre Angehörigen merken das nicht: Das ist Ihr Verdienst“, sagte er an die Adresse der mehr als 60 Beschäftigten.

Zu den Mitarbeitern gehört Beate Müller. Die Krankenschwester hat eine spezielle Ausbildung zur Stroke-Unit-Pflegekraft absolviert. Sie schildert, wie häufig sie pro Tag und Stunde die Vitalwerte ihrer Patienten kontrolliert. „Man ist hier gut beschäftigt“, betont sie. Zum multiprofessionellen Team zählt auch Bärbel Rottach. Die Logopädin klärt bei einem Neuzugang schnellstmöglich ab, ob er unter einer Schluckstörung leidet. „Sonst kann es zu einer Lungenentzündung kommen, was Lebensgefahr bedeutet.“ Kaum ist der Patient angekommen, wird schon mit der Schlucktherapie begonnen. „Es ist ein Riesenvorteil, dass spezialisierte Kräfte hier immer da sind. Da muss niemand von auswärts geholt werden“, beschreibt Physiotherapeut Thomas Wurmser die Vorteile des   interdisziplinären Arbeitens.

Für Assistenzärztin Natalie Hackel ist Kaufbeuren die vierte Klinik, in der sie tätig ist. „Der Kontakt und das Zusammenspiel zwischen den Berufsgruppen sind extrem gut, die Dienstwege kurz“, unterstreicht die gebürtige Berlinerin. Wer über das Notfallzentrum ins Haus komme, der habe beste Chancen, schnell und fachkundig behandelt zu werden, sagt Natalie Hackel: „Zuerst geht’s direkt zur Computertomografie (CT), dann auf unsere Stroke Unit.“ Die einzelnen Glieder der Schlaganfall-Versorgungskette greifen.

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