Kardinal Woelki fordert Konsequenzen aus Misshandlungen in Flüchtlingsheimen

Köln – Der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, hat Konsequenzen aus dem Misshandlungsskandal in Flüchtlingsheimen in Nordrhein-Westfalen (NRW) gefordert. „Großunterkünfte, wie sie hauptsächlich in NRW zu finden sind, mit mehreren Hundert Menschen in psychischen Ausnahmesituationen, bergen generell Risiken. Großunterkünfte müssen die Ausnahme bleiben und auch nur für möglichst kurze Übergangszeiten“, sagte Woelki dem „Handelsblatt“ (Donnerstagausgabe).

Es müsse für die Betreuung der Flüchtlinge auch genügend gutes Personal geben. „Diese Leute brauchen natürlich zwingend ein Führungszeugnis und einen Sachkundenachweis“, so der Kardinal. „Die bekannt gewordenen Misshandlungen sind ungeheuerlich, und es muss alles getan werden, dass sich so etwas nicht wiederholt.“ Wichtig sei aber auch eine gute Schulung der Helfer: „Unverzichtbar ist neben einer Ahnung davon, wie es Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund nach Verfolgungs-, Kriegs- und Fluchterlebnissen geht, auch ein gewisses Grundwissen, wie man angemessen darauf reagiert“, sagte Woelki. „Wir dürfen die Helfer nicht allein lassen, dann sind sie hilflos.“ Grundsätzlich hält Woelki eine Flüchtlingspolitik, die auf Abwehr oder gar Abschreckung setzt, für falsch. „Wir können uns hier nicht selbstzufrieden abschotten und ausgerechnet die armen Staaten der Welt mit der Flüchtlingsproblematik allein lassen. Das potenziert die Probleme bloß. Deutschland leistet Großes, aber die Not ist leider größer“, so der Kardinal. Zugleich müsse Deutschland mehr tun, um die Ursachen der Flucht zu bekämpfen, auch in den Herkunftsländern. Dazu gehöre ein ganzes Maßnahmenbündel auf allen Ebenen: Einsatz für Menschenrechte, politische Verhandlungen, humanitäre Hilfe, entschlossene Bekämpfung des Terrorismus, anwaltschaftliches Eintreten für Minderheiten und eine der Not angemessene Flüchtlingshilfe. „Vor allem aber muss in diesen Ländern der Zugang zur Bildung für alle erschlossen werden, und wir müssen für weltweit gerechte wirtschaftliche Strukturen sorgen“, sagte Woelki. „Unser Lebensstil geht ja weithin einher mit der Ausbeutung der sogenannten Dritten Welt.“

Über dts Nachrichtenagentur

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