Käß­mann gegen Auf­sto­ckung der Bun­des­wehr

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Die ehe­ma­li­ge Rats­vor­sit­zen­de der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land, Mar­got Käß­mann, hat die ge­plan­te Auf­sto­ckung der Bun­des­wehr kri­ti­siert. „7.000 Sol­da­ten mehr än­dern nichts“, sagte Käß­mann „Bild am Sonntag“. Ihr gehe es „um die grund­sätz­li­che Hoff­nung, für die wir Pa­zi­fis­ten oft ver­lacht wer­den: eine Welt, in der wir Ar­me­en nicht mehr be­nö­ti­gen.“

Kriegs­ein­sät­ze lehn­te Käß­mann ka­te­go­risch ab. „Ich würde mir wün­schen, dass Deutsch­land dafür be­kannt würde, Kon­flik­te nicht-mi­li­tä­risch zu lösen“, sagte die ak­tu­el­le Re­for­ma­ti­ons­bot­schaf­te­rin für das Kir­chen­jahr 2017. „Die Ge­schich­te Deutsch­lands hat uns ge­lehrt: Krieg, den wir nach außen tra­gen, bringt ganz ent­setz­li­ches Leid über an­de­re. Und auch über uns selbst.“ Im Um­gang mit Ter­ro­ris­ten ap­pel­lier­te Käß­mann dazu, auf Hass zu ver­zich­ten. „Auch mich scho­ckiert die irr­sin­ni­ge Ge­walt von Ter­ro­ris­ten, mit der sie Men­schen ver­ach­ten. Aber den­noch sind auch sie Got­tes Eben­bild, wenn auch in einer ver­zerr­ten Ver­si­on“, sagte Käß­mann. „Wenn wir mit Hass re­agie­ren, freut das die Ter­ro­ris­ten. Denn eine Ge­sell­schaft vol­ler Hass ver­liert ihre Mensch­lich­keit.“ Der ka­tho­lisch Mi­li­tär­bi­schof Franz-Jo­sef Over­beck teil­te die An­sicht der evan­ge­li­schen Theo­lo­gin. Er sagte „Bild am Sonntag“: „Auch Ter­ro­ris­ten haben eine von Gott ge­ge­be­ne Würde. Chris­ten müs­sen un­ter­schei­den: Liebe den Sün­der, hasse die Sünde.“ Die Auf­sto­ckung der Bun­des­wehr be­grüß­te Over­beck je­doch: „Diese so­ge­nann­te Ver­grö­ße­rung nach einer jahr­zehn­te­lan­gen Ver­klei­ne­rung der Bun­des­wehr ist nach­voll­zieh­bar, wenn man sich die Kom­ple­xi­tät der Kri­sen­her­de welt­weit vor Augen führt. Und die Bun­des­wehr muss dafür im Rah­men ihrer Bünd­nis­auf­ga­ben hand­lungs­fä­hig blei­ben. Die vie­len Kon­flik­te auf der Welt be­wei­sen es lei­der jeden Tag, dass es gute Grün­de gibt, auf die Bun­des­wehr nicht zu ver­zich­ten.“

Margot Käßmann, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Margot Käßmann, über dts Nachrichtenagentur