Jonathan Franzen hat eine Leidenschaft für deutsche Literatur

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New York – US-Autor Jonathan Franzen hat sich zu seiner Leidenschaft für die deutsche Literatur bekannt. „Durch die Lektüre deutschsprachiger Autoren konnte ich erst zu dem Schriftsteller werden, der ich bin“, sagte Franzen in einem Gespräch mit dem „Spiegel“. Als Heranwachsender habe er auch deswegen so viel gelesen, um seiner Mutter auszuweichen.

„Meine Mutter hatte einen liebenden Zugriff, aber eben einen starken Zugriff, dem ich mich nur durch Heimlichkeiten entziehen konnte.“ Er habe sich mit seinem „geheimen Ich“ gefühlt, „wie eine Figur von Thomas Mann“, habe seinen Eltern verschwiegen, dass er Schriftsteller werden wolle. Ein Vorbild sei für ihn der Wiener Polemiker Karl Kraus gewesen. Dessen Theorien zu den Medien seien heute übertragbar auf das Internet: „Wenn man Geld, Technologie und Medien zusammenbringt und ein bisschen Ideologie dazutut, erschafft man etwas, was seiner inneren Logik nach ungesund ist. Ein Teufelswerk.“ Er selbst nutze aber das Internet „jeden Tag“. „Wenn Leute ihr Leben damit vergeuden wollen, die Tweets von Lady Gaga zu lesen, ist mir das egal. Was mir auf die Nerven geht, ist vielmehr, dass das Internet den Eindruck erweckt, die Probleme der Gegenwart zu lösen.“ Auch wenn er sich in jungen Jahren die harten Urteile von Karl Kraus zum Vorbild genommen habe, versuche er heute über Personen möglichst nicht moralisch zu urteilen.

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