Ischinger: Krieg ist nach Europa zurückgekehrt

Hamburg – Für Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz und ehemaliger Diplomat, ist der Krieg im Zuge des Ukraine-Konflikts nach Europa zurückgekehrt. Russlands Präsident Wladimir Putin betreibe in der Ukraine „Machtpolitik unter Verletzung des Völkerrechts“, sagte Ischinger im Gespräch mit dem „Stern“. Zur Lösung des Konfliktes fordert der erfahrene Diplomat Verhandlungen unter Einbeziehung der USA und der EU, da die Nato „keinen Krieg um die Ukraine führen“ werde.

Man müsse auf einen Waffenstillstand drängen, der vor allem für die Ukraine „einen großen Kompromiss“ bedeute. „Die Regierung in Kiew muss akzeptieren, dass sie ihre Ziele in der Ostukraine militärisch nicht durchsetzen kann. Denn Russland wird eine militärische Niederlage im Donbass nicht hinnehmen, und Putin sitzt am längeren Hebel.“ Auch eine Beteiligung der Separatisten in diesen Verhandlungsprozess hält Ischinger für möglich und erinnert an einen ebensolchen Umgang mit den bosnischen Serben im Jugoslawien-Konflikt: „Diplomaten haben schon schwierigere Fälle behandelt als die Separatisten im Donbass.“ Ischinger, ehemals deutscher Botschafter in Washington und London, warnt, dass die Zeit für friedliche Lösungen knapp werde. „Das Eis, auf dem wir wandeln, ist immer noch sehr dünn.“

Über dts Nachrichtenagentur

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