Immer mehr Patienten mit Medikationsplan

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Zum Schutz vor unerwünschten Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln lassen sich immer mehr Patienten in Deutschland einen Medikationsplan ausstellen. Das geht aus der Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Andrew Ullmann hervor, über die das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND/Samstagausgaben) berichtet. Seit Oktober 2016 haben gesetzlich Krankenversicherte, die gleichzeitig und dauerhaft mindestens drei verordnete Arzneimittel anwenden, Anspruch auf einen Medikationsplan mit Dosierungshinweisen durch ihre Ärztin oder ihren Arzt.

Dadurch sollen Einnahmefehler oder gefährliche Wechselwirkungen vermieden werden. Das Bundesgesundheitsministerium verweist auf Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), wonach im ersten Halbjahr 2017 für mindestens 74.500 Patienten ein Medikationsplan mit entsprechender Vergütung durch die Kassen erstellt worden ist. Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, weil in dieser Berechnung nicht alle Abrechnungsarten für das Dokument erfasst sind. Untersuchungen würden zeigen, dass sich Patienten mit einem Medikationsplan besser informiert fühlen, so das Gesundheitsministerium weiter. Das Dokument soll künftig auch in elektronischer Form verfügbar sein – als Anwendung der elektronischen Gesundheitskarte. Nach Ministeriumsangaben sollen die technischen Voraussetzungen dafür bis Ende 2018 in allen Arztpraxen geschaffen werden. Die Freien Demokraten fordern eine „ständige“ Aktualisierung des Dokuments. „Denn jedes zusätzliche Medikament, gleich ob ärztlich verordnet oder ohne Verschreibung erworben, kann das Risiko gesundheitsschädlicher Arzneimittelinteraktionen erhöhen“, sagte der FDP-Fachpolitiker Ullmann dem RND. Nach Studien sind in Deutschland jährlich rund 250.000 Krankenhauseinweisungen auf vermeidbare Medikationsfehler zurückzuführen.

Tabletten, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Tabletten, über dts Nachrichtenagentur