Illertissen – Neu- oder Umbau des Feuerwehrgerätehauses – Kommandant fordert Handeln ein

Foto: wis

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Seit sieben Jahren ist Erik Riedel Kommandant der Feuerwehr Illertissen, und in dieser Zeit hat er genau sieben Pläne für einen Um- oder Neubau des Gerätehauses mitgestaltet. „Die Hausaufgaben der Feuerwehr und aller Fachleute sind nach Fertigstellung der beiden neuesten Varianten gemacht – es reicht, jetzt muss endlich etwas geschehen !“ Diese eindeutige Feststellung und seine daraus abgeleitete Stellungnahme für einen Neubau an der Unterrother Straße prägte die Ausführungen Riedels bei der Jahresversammlung zu dem Thema, das seit mehr als zehn Jahren diskutiert wird. Im Mittelpunkt seiner Stellungnahme stand die Forderung, dass – egal ob bei Um- oder Neubau – sämtliche Vorschriften, TÜV-Gutachten und die daraus resultierenden Raum- und Bedarfsplanungen in vollem Umfang berücksichtigt werden müssten. Dabei verwies der Kommandant vor allem auch auf die personelle Situation: Bei der Inanspruchnahme von ehrenamtlichen Kräften dürfe der Bogen nicht überspannt werden; denn diese stünden immer noch bei Arbeitgebern in Lohn und Brot und könnten nicht mehr für jeden Kleineinsatz freigestellt werden. Riedel entwickelte daraus für eine gar nicht so ferne Zukunft die Vorstellung, dass mehrere hauptamtlich Beschäftigte im Gerätehaus ihren Arbeitsplatz haben müssten, die dann nicht nur die umfangreichen alltäglichen Arbeiten bewältigen sollten, die heute völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit gerade noch ehrenamtlich geleistet werden können. Dazu gehören Pflege, Wartung und Instandsetzung der Fahrzeuge und Ausrüstungen, aber auch gesetzlich vorgeschriebene Prüfungen von Geräten, die im Ernstfall lebensrettend sind sowie Arbeiten zum vorbeugenden Brandschutz in städtischen Gebäuden und im Hydrantennetz und vieles mehr. Kleineinsätze könnten dann von dieser Mannschaft abgearbeitet werden, ohne dass Leute ihren anderweitigen Arbeitsplatz verlassen müssten. Riedel regte auch an, die Dienstleistungen der hauptamtlichen Kräfte den umliegenden Gemeinden gegen Berechnung anzubieten, da auch dort tagsüber oft nur wenig Personal zur Verfügung stehe. In Illertissen selbst sieht er nachts und am Wochenende im Moment noch genügend verfügbare Mannschaft, aber „die Arbeitsplatzsituation ändert sich rasant und nicht immer zum Vorteil !“ mahnte er. Damit kam er zur zentralen Frage Um- oder Neubau: „Ich als Kommandant und die gesamte Feuerwehr haben immer am jetzigen Standort festgehalten; wir waren die allerletzten, die diesen hätten aufgeben wollen – nie im Traum hätten wir auch nur ansatzweise an einen Neubau an einem anderen Standort gedacht !“ bestätigte Riedel, aber nach allen Gutachten und Prüfungen seien sowohl er persönlich als auch ein Großteil der Führungsmannschaft zu dem Schluss gelangt, dass ein Neubau an der Unterrother Straße die richtige Lösung sei. Die neueste „vermeintlich billigere“ Alternative am bisherigen Platz berücksichtige weder die Kosten für die Generalsanierung des bestehenden Gebäudes noch die für den Anbau nach Osten und der Außenanlagen. Zudem könne keine Grenzbebauung an der Nordseite erfolgen und die dortigen neuen Nachbarn müssten selbst bei Einhaltung der Grenzabstände geschlossen dafür unterschreiben. Im Übrigen könne während der etwa zweijährigen Umbauzeit der Feuerwehrbetrieb nicht auf einer Baustelle geleistet werden, sodass auch die Frage einer Ersatzunterbringung und deren Kosten noch nicht geklärt sei. Das Angebot des Landkreises, neben einem Neubau an der Unterrother Straße sowohl die Atemschutzübungsanlage mit der dazugehörigen Werkstatt als auch die „Technisch-Taktische Betriebsstelle“ für den Digitalfunk in einem eigenen Gebäude unterzubringen, bringe auch wegen der dort beschäftigten hauptamtlichen Kräfte „nur Vorteile und beträchtliche Synergieeffekte“. Riedel schloss mit dem Appell: „Ich kann auf jeden Fall versichern, dass die Feuerwehr Illertissen in den vergangenen 150 Jahren vorbildliche Arbeit am Nächsten geleistet hat und das auch in Zukunft tun wird – gerade aus diesem Grund darf nichts versäumt werden, um mit der Zeit zu gehen und den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden !“

Kreisbrandrat Dr. Bernhard Schmidt bestätigte in seinem Grußwort, dass die Feuerwehr Illertissen „an der Grenze der Leistungsfähigkeit einer ehrenamtlichen Feuerwehr angekommen“ sei: „Es ist erstaunlich, wie gut es noch funktioniert !“ Allein Verwaltungs- und Geräteprüfungsarbeiten seien heute äußerst zeitaufwendig, aber „die Feuerwehr kommt ihrer Verpflichtung noch sehr gut nach“. Er sei „froh, dass alle verantwortungsvoll mit dem Thema umgehen“. Der Kreisbrandrat kündigte an, dass der Landkreis gemeinsam mit dem Zweckverband, der für die Landkreise Günzburg, Unterallgäu und Neu-Ulm die „Integrierte Leitstelle Donau-Iller“ in Krumbach betreibt, Großes vorhabe: Sowohl die Atemschutzübungsanlage des Landkreises mit Werkstätte als auch die „Technisch-Taktische Betriebsstelle“ für den Digitalfunk in den drei Landkreisen könnten in einem Neubau an der Unterrother Straße untergebracht werden, da Illertissen dafür mit seiner zentralen Lage bestens geeignet sei. Das neue Gebäude würde von Landkreis und Zweckverband finanziert und bringe, wie schon von Kommandant Erik Riedel betont, in direkter Nachbarschaft zu einem neuen Gerätehaus erhebliche Synergieeffekte.

 


 

Kommentar von Wilhelm Schmid

Mit der Landkreisreform vor vierzig Jahren begann es: Illertissen verlor den Kreissitz und damit nicht nur das Landratsamt, sondern auch Finanzamt und Amtsgericht und musste dann um das Krankenhaus zittern. Gut, es gab Ersatzlösungen wie die Berufsgenossenschaftliche Schulungsstätte oder das Hochschulschloss, aber dennoch hat die Vöhlinstadt bis heute einen Verlust an Zentralität aufzuweisen. Nun bieten sowohl der Landkreis als auch der „Zweckverband für Rettungsdienst- und Feuerwehralarmierung“ an, zwei überörtliche Einrichtungen in Illertissen neu zu bauen: Die Atemschutzübungsanlage, auf der Feuerwehrleute aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus ihre lebenswichtige Aus- und Fortbildung absolvieren, muss auf den aktuellen Stand der Technik gebracht werden, und der neue Digitalfunk in den drei Landkreisen Günzburg, Neu-Ulm und Unterallgäu braucht eine zentrale Serviceeinrichtung, die „Technisch-Taktische Betriebsstelle“. Wenn beides in einem Neubau – der die Stadt nichts kostet ! – neben einem ebenso neuen Gerätehaus für die Feuerwehr Illertissen an der Unterrother Straße untergebracht wird, ergeben sich zum einen „Synergieeffekte“: Die dort Beschäftigten könnten mit dem in Zukunft unabdingbar erforderlichen hauptamtlichen Illertisser Personal zusammenwirken, das wiederum einen erheblichen Anteil an all dem abarbeitet (Verwaltung, Geräteprüfung, vorbeugender Brandschutz, Kleineinsätze usw.), was bisher unbemerkt von der Öffentlichkeit an der Grenze der ehrenamtlichen Leistungsfähigkeit getan wird. Wie umfangreich das ist, kann nur der abschätzen, der sich selbst einmal abends im jetzigen Gerätehaus umsieht – aber wie viele von denen, die (hoffentlich bald) mitentscheiden, haben sich das schon einmal angetan ? Zum anderen würde Illertissen auch ein gehöriges Maß der Zentralität zurück gewinnen, deren Verlust seit vier Jahrzehnten beklagt wird. Mut zur zukunftsträchtigen Entscheidung, unter Berücksichtigung aller und nicht nur der finanziellen Aspekte, ist nun gefragt.