IG Metall fordert höhere Zuschläge für "echte" Altersteilzeit

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Berlin – Ältere Arbeitnehmer in der Metall- und Elektroindustrie sollen nach Vorstellung der IG Metall künftig finanzielle Zuschläge erhalten, wenn sie das Instrument der Altersteilzeit für eine Verringerung ihrer wöchentlichen Arbeitszeit nutzen anstatt für einen vorgezogenen Ruhestand: „Es spricht einiges dafür, neue Teilzeitmodelle für ein echtes Ausgleiten aus dem Berufsleben finanziell attraktiver zu machen“, sagte Jörg Hofmann, Zweiter Vorsitzender der größten deutschen Gewerkschaft, der F.A.Z. (Donnerstagausgabe). „Das könnte zum Beispiel eine Altersteilzeit nach dem Muster `zwei Drittel/ein Drittel` sein.“ Der Vorstand der IG Metall hatte Anfang Juli einen Grundsatzbeschluss gefasst, in der kommenden Tarifrunde einen Umbau der Altersteilzeit und die Einführung einer neuen Bildungsteilzeit anzustreben.

Mit dem neuen Teilzeitmodell könnten ältere Beschäftigte ihre wöchentliche Stundenzahl während der meist vier- oder sechsjährigen Altersteilzeit zu verbesserten Konditionen zunächst auf zwei Drittel und später ein Drittel der reduzieren könnten. Derzeit wird die sogenannte Altersteilzeit fast immer im sogenannten Blockmodell genutzt – Vollzeitarbeit in der ersten, völlige Freistellung in der zweiten Hälfte, schreibt die Zeitung. Nach den bisherigen Metall-Tarifverträgen bekommen die Beschäftigten für die insgesamt halbierte Arbeitszeit einen Aufstockungsbetrag, der ihren Nettolohn von 50 auf rund 85 Prozent des Vollzeitlohns erhöht. „Dort, wo ein gleitender Ausstieg für Arbeitnehmer möglich und sinnvoll ist, sollte er auch zum bevorzugten Modell werden“, erläuterte Hofmann in der F.A.Z. „Denn es geht uns ja darum, dass Menschen ihren Beruf möglichst lange entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit ausüben können.“ Damit wehrt sich die IG Metall auch gegen den Eindruck, sie wolle nach der Einführung der gesetzlichen Rente mit 63 nun mit Hilfe der Tarifpolitik auch noch eine neue Rente mit 60 durchsetzen. „Darum geht es bei der Altersteilzeit wirklich nicht“, sagte Hofmann. „Es geht uns darum, das Instrument zielgenauer zu machen.“ Das heiße aber auch, dass für Beschäftigte in belastenden Arbeitsbedingungen, wie etwa Schichtarbeiter, der vorgezogene Ausstieg durch das Blockmodell weiter möglich sein müsse. Daneben forderte Hofmann die Bundesregierung auf, die bei der Altersteilzeit schon geltende Steuerfreiheit der Aufstockungsbeträge – also der Anhebung des Lohns von 50 auf zum Beispiel 85 Prozent – auch für neue Varianten wie die Bildungsteilzeit zu gewähren. Ziel der IG Metall ist es, dass Arbeitnehmer künftig auch während des Berufslebens entsprechende Teilzeitphasen einlegen können, um sich nebenher weiterzubilden. Es sei „schwer einzusehen, warum Aufstockungsbeträge für Bildungsteilzeit vom Gesetzgeber nicht genauso begünstigt werden“, sagte Hofmann der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Das wäre ein Zeichen moderner Politik.“ Die Arbeitgeber hatten sich für Gespräche über die Altersteilzeit offen gezeigt, die Idee einer tariflich geregelten Bildungsteilzeit jedoch abgelehnt. Ihre Lohnforderung für die kommende Tarifrunde will die IG Metall im November beschließen, die alten Lohntarifverträge laufen zum Jahresende aus. Bundesweit waren 2013 nach Daten der Bundesagentur für Arbeit insgesamt 500.000 Arbeitnehmer in Altersteilzeit. Genaue Daten für die Metall- und Elektroindustrie gibt es derzeit nicht, Schätzungen belaufen sich auf bis zu 100.000.

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