IG-Metall-Chef: Digitaler Wandel zwingt Gewerkschaften zu Reformen

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Berlin – Der IG-Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel sieht großen Reformbedarf bei den Gewerkschaften angesichts des digitalen Wandels in der Arbeitswelt. „Wenn die Gewerkschaften es nicht schaffen, sich den veränderten strukturellen Bedingungen anzupassen, wird der Wandel der Geschichte über sie hinweggehen“, sagte Wetzel im NachrichtenMagazin „Der Spiegel“. Die Digitalisierung führe zu einer Vielfalt individualisierter Arbeitsmöglichkeiten.

Arbeitnehmer wie ein Clickworker, der zu Hause am Computer Arbeitsaufträge übernimmt, seien zwar schwerer erreichbar, aber für Gewerkschaften dennoch organisierbar. „Sein Betrieb ist das Internet – und dort müssen wir ihn ansprechen“, sagte der IG-Metall-Vorsitzende. Gewerkschaftliche Aktionen wie Streiks fänden nicht nur auf der Straße statt, sondern auch in der virtuellen Welt. Wenn sie im Internet kommuniziert würden, fänden sie vielleicht sogar mehr Beachtung, als wenn ein Arbeitskampf nur auf einem Marktplatz stattfände. „Wir müssen nur genügend gute Leute in den Gewerkschaften haben, die in diesen Medien leben und unsere kulturellen Anschlussfähigkeit zu den neuen Milieus sicherstellen“, sagte Wetzel. Die Gewerkschaften müssten die Chancen, die der digitale Wandel biete, erhöhen und dessen Risiken minimieren. „Wir können den Gang der Dinge nicht der Industriegeschichte überlassen, sondern müssen ihn mit klugen Konzepten gestalten“, sagte Wetzel.

Über dts Nachrichtenagentur

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