Ifo-Chef: Wahrscheinlichkeit für Euroaustritt Griechenlands wächst

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Berlin – Nach Ansicht des Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, wächst angesichts der verhärteten Fronten im Schuldenstreit mit der Regierung in Athen die Wahrscheinlichkeit eines Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone. „Ich interpretiere die harte Haltung beider Seiten so, dass sie sich als eine der möglichen Lösungen des Konflikts unteren anderen auch auf den `Grexit` einstellen“, sagte Sinn dem „Handelsblatt“ (Onlineausgabe). In diesem Fall gehe es um die Höhe des Schuldenschnitts beziehungsweise die Höhe der Anrechnung der Reparationsforderungen.

Zudem dürfte die Frage eine Rolle spielen, „ob es gelingt, den Austritt als Schuld der jeweils anderen Seite darzustellen“, so Sinn. Dahinter steht, wie Sinn erläuterte, der Umstand, dass es nach dem Euroaustritt einige Zeit dauern werde, bis sich die Wirtschaft wieder fängt. „Für diese Zeit wird eine gewisse Leidensbereitschaft der Bevölkerung benötigt, und die verlangt, dass zuvor ein Zustand der öffentlichen Empörung herbeigeführt wird.“ Die Athener Regierung müsse deshalb den Eindruck zu erwecken versuchen, Griechenland sei von „den bösen Deutschen ausgestoßen“ worden. „Die Emotionalisierung der deutschen Öffentlichkeit nimmt man dafür billigend in Kauf, ja, sie kann wegen der Rückwirkung auf die eigene Bevölkerung sogar nützlich sein“, fügte Sinn hinzu. So sei es immer gewesen, wenn Konflikte zwischen den Völkern ausbrachen. Dass der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras und sein Finanzminister Yanis Varoufakis „aus bloßer Unfähigkeit eine solch harte Karte spielen“, halte er zwar nicht für wahrscheinlich. Das heiße daher auch nicht, dass man den Austritt wirklich wolle. „Noch lieber will man natürlich ganz viel Geld“, sagte Sinn. „Aber wenn schon Austritt, dann richtig.“

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