Ifo-Chef Sinn: EZB-Programm möglicherweise Testballon für Anleihekäufe

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München – Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, sieht den von der Europäischen Zentralbank (EZB) geplanten Ankauf von besicherten Kreditpaketen (ABS) als Vorläufer für eine quantitative Lockerung (QE) mit großangelegten Anleihekäufen: „Das ABS-Programm ist möglicherweise nur ein Testballon“, sagte Sinn dem „Handelsblatt“ (Onlineausgabe). „Ich hoffe, die EZB wartet zumindest, bis der EuGH zum OMT-Programm Stellung genommen hat, denn QE heißt ja wieder, dass man Staatspapiere kauft.“ EZB-Chef Draghi hatte angekündigt, dass die EZB Kreditverbriefungen (ABS) und Pfandbriefe für bis zu einer Billion Euro kaufen will.

Mit ABS-Papieren können Banken Kredit-Risiken bündeln, aus der Bilanz auslagern und am Markt damit handeln. Die EZB erhofft sich dadurch eine höheren Kreditvergabe der Banken. Vor dem großangelegten Kauf von Staatsanleihen scheut sie bisher zurück, schreibt das „Handelsblatt“. Angesichts der schwachen Konjunktur und niedriger Preise steigt aber der Handlungsdruck auf die EZB. Am Donnerstag hatte der EZB-Rat außerdem beschlossen, griechischen Banken mehr Liquidität zur Verfügung zu stellen. Die Notenbank senkte den Abschlag auf Sicherheiten, die griechische Institute bei der EZB hinterlegen. Aus Sicht von Ifo-Chef Sinn hat diese Entscheidung der EZB vergleichsweise geringe Auswirkungen. „Das ist ein Klacks relativ zu der dramatischen und vielfältigen Verringerung der Bonitätsanforderung für die in Zahlung genommenen Pfänder, durch die sie es den Krisenländer erlaubte, sich 1.000 Milliarden Euro an Target-Krediten aus den lokalen Druckerpressen zu ziehen.“ Target ist ein internes Verrechnungssystem der Euro-Zentralbanken. Über dieses System wickeln die Banken im Euroraum ihre internationalen Zahlungen ab.

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