Ifo: Berater blicken trotz Rezessionsszenarien positiv auf 2019

München (dts Nachrichtenagentur) – Die Beraterbranche blickt so zuversichtlich in das neue Jahr wie seit dem Boomjahr 2010 nicht. Das vom Münchner Ifo-Institut für das „Handelsblatt“ (Dienstagsausgabe) berechnete Beraterklima notiert auf dem höchsten Dezember-Wert seit acht Jahren. „Der Bereich Rechts- und Steuerberatung sowie Wirtschaftsprüfung befindet sich weiter in der Komfortzone“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe der Zeitung.

Mehr als die Hälfte der Berater konnte zuletzt ihren Umsatz zum Vorjahr steigern. Lediglich acht Prozent verzeichneten Umsatzrückgänge. „Der Ausblick auf das kommende halbe Jahr ist positiv.“ Geopolitische Unsicherheiten, wie etwa der Brexit oder die Protektionismus-Debatte, hätten im Moment offenbar keine Nachteile für die Branche. „Unsichere Zeiten haben für die Anwaltschaft nicht nur negative Auswirkungen, denn sie bedeuten oft, dass auch besonderer Bedarf für anwaltliche Expertise besteht“, sagte Philipp Wendt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Anwaltvereins (DAV), dem „Handelsblatt“. Auch die Wirtschaftsprüfer sehen sich eher als Profiteure. „Brexit, Handelskriege, der zunehmende Populismus und die nicht absehbaren Folgen der Digitalisierung führen zu einer immer größer werdenden Unsicherheit in der Wirtschaft“, sagte Melanie Sack, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW). „Vertrauensbildende Maßnahmen sind daher gefragt.“ Das Ifo-Beraterklima basiert auf einer Unternehmensbefragung. Es ist eine Sonderauswertung des Ifo-Geschäftsklimas, dem wichtigsten Frühindikator für die Konjunktur in Deutschland. Während die Stimmung in der Gesamtwirtschaft seit dem Jahresstart 2018 im Trend auf Talfahrt ist und an den Börsen Rezessionsszenarien durchgespielt werden, notiert das saisonbereinigte Beraterklima im zweiten Halbjahr deutlich höher als zum Jahresauftakt. Die Umsatzerwartungen waren sogar so gut wie seit dem Herbst 2007 nicht mehr. „De facto kaum ein Berater-Unternehmen erwartet Umsatzrückgänge“, bestätigt Wohlrabe.

Büro-Hochhaus, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Büro-Hochhaus, über dts Nachrichtenagentur