Hunger in Afrika: Entwicklungsökonom Dreher warnt vor "Katastrophe"

Heidelberg (dts Nachrichtenagentur) – Angesichts der Hungersnöte im Jemen, in Nigeria, Somalia und im Südsudan warnt der Entwicklungsökonom Axel Dreher vor einer „Katastrophe“. Die Ressourcen der Hilfsorganisationen müssten „deutlich ausgeweitet werden“, sagte der Forscher von der Universität Heidelberg der Wochenzeitung „Die Zeit“. Es sei „einfach nicht genug Geld da, um Nahrungsmittel und Medikamente bereitzustellen“.

Zugleich forderte Dreher, möglichst nur als letztes Mittel Waren in von Hungersnöten bedrohte Gebiete zu liefern. Es gebe „Hinweise darauf, dass Entwicklungshilfe durch Nahrungsmittellieferungen neue Verteilungskonflikte schafft und Krisen weiter anheizt“, sagte Dreher. „Wo es irgend möglich ist, sollte der Westen allerdings auf direkte Warenlieferungen verzichten.“ Stattdessen schlägt Dreher vor, Gutscheine auszugeben: „Die verteilt man überall dort, wo man die benötigten Güter am Wohnort noch erhalten kann.“ Das stärke die lokalen Märkte und die Betroffenen könnten selbst entscheiden, was sie kaufen. Wo es nichts mehr zu kaufen gebe, müssten Friedenstruppen die Lieferungen absichern. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen selbst Opfer von Gewalt würden. Auch die langen Transportwege seien ein Problem: „Unterwegs geht durch Bestechung oft ein großer Teil der Fuhren verloren.“ Die Hungersnöte in den vier Ländern sind Folge bewaffneter Konflikte. Im Jemen und Südsudan herrscht Krieg, in Nigeria und Somalia kontrollieren Terrormilizen die betroffenen Gebiete. Die Menschen leiden zudem unter anhaltender Dürre, die Ernten vernichtet. Dreher ist besorgt, dass Hilfe oft erst viel zu spät komme. „Diese Katastrophen entstehen ja nicht urplötzlich, man sieht sie vielmehr langsam kommen.“ Mit bedingungslosen Geldtransfers für Betroffene könne man frühzeitig gegensteuern, „solange es in der Region noch Lebensmittel gibt“.

Hungernde Kinder in Somalia, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Hungernde Kinder in Somalia, über dts Nachrichtenagentur