Historiker: Debatte über schottische Unabhängigkeit abgeschlossen


Foto: „No thanks“-Poster zum Referendum in Schottland, über dts Nachrichtenagentur

Berlin – Durch das gescheiterte Referendum in Schottland ist nach Ansicht des britischen Historikers Niall Ferguson die Debatte über die Unabhängigkeit Schottlands abgeschlossen. „Das Thema ist erledigt“, schrieb Ferguson in einem Gastbeitrag für das Nachrichtenmagazin „Focus“. „Die ausgefeilte Fantasie seiner Scottish National Party von Schottland als Quasi-Bestandteil von Skandinavien mit einer vollkommen anderen politischen Kultur als in England hat sich in Luft aufgelöst. Wie einige von uns die ganze Zeit gesagt haben: Schottlands wahre nationale Identität ist die eines stolzen Gründungsmitglieds sowohl von Großbritannien als auch des Vereinigten Königreichs.“

Bei einem knapperen Ergebnis hätten die Nationalisten von einem „moralischen Sieg“ sprechen können. Aber der Abstand von mehr als zehn Prozent zwischen Gegnern und Befürwortern der Unabhängigkeit mache das Ergebnis zu einer einfachen Niederlage. „Die Befürworter einer Abspaltung haben schlicht eins übergebraten bekommen“, so Ferguson. Die als Zugeständnis an die Schotten angestoßene Verfassungsreform und Dezentralisierung ist laut dem in Glasgow geborenen Historiker „kein Grund für Katerstimmung“. „Nun besteht die Chance, der Asymmetrie ein Ende zu bereiten, und wenn das bedeutet, dass sich das Königreich zum ersten Mal in seiner Geschichte auf eine Art Föderalismus zubewegt, dann ist es halt so.“ Er lebe in den USA und habe früher in Deutschland gelebt. „Man mag es nicht glauben, aber der Föderalismus funktioniert. Auf ein Unabhängigkeitsreferendum in Texas oder Bayern werden wir vergeblich warten.“ Der britische Premier David Cameron habe triumphiert, so Ferguson. Er habe die „Eiterbeule des schottischen Separatismus aufgestochen. Und das Beste: Er hat im Grabenkrieg der britischen Politik eine völlig neue Front eröffnet“, schrieb er. „Die Steuerautonomie ist für das Königreich als Ganzes nicht nur folgerichtig, sie ist politisch gesehen auch höchst scharfsinnig. Sie bindet die Konservativen und Liberaldemokraten noch enger aneinander, sie erwischt Labour auf dem falschen Fuß und sie lenkt von Europa ab.“

Über dts Nachrichtenagentur

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