Heftige Kritik an Umstrukturierung der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Der Leiter der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, übt heftige Kritik an der geplanten Zusammenlegung seiner Einrichtung mit der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg. „Das riecht schon sehr nach einer feindlichen Übernahme“, sagte Knabe der „Welt“. Hintergrund ist ein Entwurf, den die Expertenkommission für die Zukunft der Stasi-Unterlagen-Behörde abschließend beraten hat.

Die ehemalige Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg und das frühere zentrale Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) sollen unter dem Dach einer neu zu gründenden „Stiftung Diktatur und Widerstand – Forum für Demokratie und Menschenrechte“ zusammengeführt werden. Knabe kritisiert, dass nicht nur der Name der Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen verloren gehen würde. Auch die Unabhängigkeit der meistbesuchten Einrichtung in Deutschland, die an die Opfer der SED-Diktatur erinnert, wäre dahin. Eine unbekannte Stiftung mit einem Allerweltsnamen würde die wichtigste Einrichtung der DDR-Aufarbeitung schlucken, so Knabe. Seit Jahren strömen immer mehr Menschen in das ehemalige Stasi-Gefängnis, in dem frühere Häftlinge durch Zellen und Verhörräume führen – 50.000 mussten im Jahr 2015 wegen Überfüllung abgewiesen werden. Dass der Vorschlag der Kommission widerstandslos umgesetzt wird, ist eher unwahrscheinlich. Noch bevor deren Empfehlungen veröffentlicht worden sind, regt sich Protest – vor allem unter den Opfern der Stasi. „Hohenschönhausen steht wie kein anderer Ort für die politische Verfolgung in der DDR“, sagte Jörg Kürschner, Vorsitzender des Fördervereins Stiftung Berlin-Hohenschönhausen. Er saß – als Westdeutscher – 1980 selbst sechs Monate im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen. Er kritisiert die Vorschläge, der Gedenkstätte Hohenschönhausen die Unabhängigkeit zu nehmen und sie damit als unbequemen Mahner auszuschalten. Der „nebulöse Stiftungsname“ solle von den Verbrechen der SED ablenken. Es sei ein „Skandal“, dass nicht ein einziger politischer Häftling an der Abfassung der Empfehlungen mitgearbeitet habe.