Heeresinspekteur beklagt chronische Unterfinanzierung

Verteidigungsministerium, über dts Nachrichtenagentur
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Berlin – Der scheidende Heeres-Inspekteur Bruno Kasdorf beklagt eine chronische Unterfinanzierung seiner Teilstreitkraft. „Die Finanzausstattung ist heute nicht einmal im Ansatz ausreichend“, sagte der Generalleutnant der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstagsausgabe). Man sei „seit 1990 durchgehend unterfinanziert“ und stelle angesichts der neuen Lage im Osten fest, „dass beim Material eine punktuelle Ausstattung nicht mehr ausreicht, dass wir bei der Modernisierung deutlich hinterher laufen und auch bei unseren Munitionsvorräten unbedingt zulegen müssen“.

Zwar habe Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) „die Wende eingeleitet“ und eine Erhöhung des Verteidigungsetats erreicht. „Aber mittelfristig reicht das nicht, weil der Investitionsbedarf riesig ist“, sagte Kasdorf. Er ist seit September 2012 Inspekteur des Heeres und übergibt die größte Teilstreitkraft der Bundeswehr in zwei Monaten an seinen Nachfolger. „Ich habe bereits 2012 gesagt, dass wir pro Jahr 2,5 Milliarden Euro brauchen, um das Heer runderneuert aufzustellen“, so Kasdorf. „Tatsächlich erhalten habe ich seither höchstens 1,7 Milliarden im Jahr. Ich schiebe also bis jetzt schon ein Investitionsdefizit von ungefähr vier Milliarden vor mir her. Wenn ich das hochrechne auf das Jahr 2025, werden mir dann immer noch etwa 20 Milliarden fehlen.“ Als Beispiele für fehlendes Material nannte Kasdorf unter anderem Nachtsichtgeräte. „Beim Standard-Nachtsichtgerät Lucie hat das Heer nur 20 Prozent dessen, was es eigentlich bräuchte, um in allen Einheiten ausbilden zu können“, sagte er. „Bei der Nachtsichtbrille für Kraftfahrer haben wir gerade mal ein Prozent dessen, was wir brauchen.“ Auch an Schützenpanzern werde es künftig fehlen: Man benötige „mittel- und langfristig rund 450 Schützenpanzer vom Typ Puma, um das alte Modell Marder komplett zu ersetzen“, sagte Kasdorf. Vorgesehen seien aber nur 350. Angesichts der veränderten sicherheitspolitischen Lage sei er „besorgt“ und sehe „akuten Handlungsbedarf“, so der Generalleutnant. „Wir können nicht länger warten.“

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