Hannelore Elsner war als Klosterschülerin vom Katholizismus fasziniert

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Die Schauspielerin Hannelore Elsner war schon als Klosterschülerin von der katholischen Welt fasziniert: „Der Weihrauch, das Glitzernde, das Prächtige und die Rituale“ habe sie beeindruckt, so Elsner in der „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“. „Für mich, vielleicht hatte ich da auch einen leichten Hau, war das alles irgendwie sexuell besetzt.“ Im Katholizismus werde dauernd „das Fleischliche betont“, so Elsner weiter.

„Das habe ich zwar nicht genau begriffen als Kind, aber ich habe es doch gesehen! Auf den Bildern – die Madonnen und die Märtyrer und diese Blicke, dieses halb Entblößte, dieses so Hingeworfene, Hingeschlenzte.“ Ständig habe sie zur Beichte gemusst. „Als ich noch kleiner war, habe ich gedacht, was beichte ich denn jetzt noch?“, erinnert sich die Schauspielerin. „Unkeuschheit galt als das ganz Normale. Gott, ich habe mich im Spiegel angeguckt: Bin ich schön oder bin ich nicht schön? Am Anfang dachte ich, allein diese Frage sei unkeusch.“ In ihrem aktuellen Film „Hannas schlafende Hunde“ spielt Hannelore Elsner eine Überlebende des Holocaust. Die Handlung ist in der österreichischen Provinz der 1960er Jahre verortet – mit einem autoritären Katholizismus, unverbesserlichen Altnazis und verklemmten Familien. „Frauen und Kinder werden geschlagen, ganz selbstverständlich. Und sie schweigen vor Scham. Die Scham – weiß Gott ja, auch eine nennenswerte Größe in der katholischen Lebenswelt. Furchtbar. Aber die Gegenschiefheit – nämlich die Schamlosigkeit oder die Unverschämtheit – sind genauso schrecklich. Das ist die Befreiung, wenn man es schafft, kein Opfer mehr zu sein, nachdem einem so was angetan wurde.“ Obwohl der Film in den 1960er Jahren spielt, ist das Thema für sie nicht passé. „Die Bigotterie, die falsch verstandene Religion, alles existiert noch oder kommt wieder.“

Hannelore Elsner, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Hannelore Elsner, über dts Nachrichtenagentur