Grüne wollen Erdgas-Abhängigkeit von Russland reduzieren

Fahne von Russland, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Fahne von Russland, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Die Grünen setzen der Idee des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk für eine europäische Energieunion ein eigenes Konzept entgegen, um die Abhängigkeit von russischen Energieimporten zu reduzieren. „Was wir brauchen bei Debatten um eine Energieunion ist der Fokus auf die wahren heimischen Ressourcen: Erneuerbare, Energiesparen und Energieeffizienz“, schreiben der Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin und der Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer in einem Gastbeitrag für „Handelsblatt-Online“. Deutschland verschwende über vier Prozent seines Bruttosozialprodukts für Energieimporte, geben die Grünen-Politiker zu bedenken.

„Wir kaufen für mehr Milliarden Euro Energie im Ausland ein, als wir pro Jahr in die viel gescholtene EEG-Umlage investieren.“ Ein Großteil der fossilen Energieimporte werde für das Beheizen von Gebäuden und für industrielle Prozesse verwendet – allein 85 Prozent des Erdgases. Das müsse nicht sein. „Durch eine konsequente Effizienzstrategie im Wärmebereich könnte die Erdgasabhängigkeit von Russland in den kommenden zehn Jahren halbiert werden“, sind Trittin und Krischer überzeugt. „Wir könnten zudem jährlich drei Prozent unseres Gebäudebestandes energetisch sanieren und damit wirklich nachhaltig unabhängig werden.“ Trittin und Krischer kritisieren in diesem Zusammenhang, dass der russische Energiemulti Gazprom mit Billigung der Bundesregierung große Gasspeicher-Kapazitäten in Deutschland übernehme. „Die Große Koalition erhöht so die Risiken bei der Versorgung.“ Mit der Schaffung einer öffentlich-rechtlich organisierten Erdgasbevorratung – analog zur bestehenden Erdölbevorratung – könne man dies umgehen, schlagen die Grünen-Politiker vor. „Auch braucht es ein besseres europäisches System vernetzter Erdgasspeicher.“ Und natürlich seien eine verbesserte Flüssiggas-Infrastruktur und ein „wirkliches“ europäisches Gasnetz nötig. All das dürfe jedoch den Umstieg auf erneuerbare Energien und Effizienz nicht behindern und zudem nicht zu neuen Umweltrisiken führen, betonen Trittin und Krischer. „Deshalb muss die Bundesregierung sich mit Nachdruck gegen die stärkere Nutzung von Kohle und Fracking-Gas wenden.“ Eine Energieunion müsse auf Energieeinsparung, Energieeffizienz, erneuerbare Energien und auf Energieunabhängigkeit setzen. „Nur so können wir uns von Energierohstoffabhängigkeiten lösen und die europäische Souveränität stärken. Sie darf nicht zu einer Kohle- und Fracking-Union werden.“

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