Grüne warnen vor möglichem Atommülltransport in die USA

Berlin – Die Grünen warnen vor dem Plan des Forschungszentrums Jülich (FZJ), 152 Castor-Behälter mit Atommüll möglicherweise nach USA zur Entsorgung zu schicken. Dabei geht es der „Frankfurter Rundschau“ (Dienstagsausgabe) zufolge um abgebrannte Brennelemente des AVR-Versuchsreaktors, der bis 1988 in nordrhein-westfälischen Jülich betrieben wurde. „Ein Transport in die USA verstößt gegen alle Prinzipien, die wir uns nicht zuletzt auch mit dem Standortauswahlgesetz zur Atom-Endlagerung gegeben haben“, kritisierte, die atompolitische Sprecherin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl.

Der Atommüll müsse in Deutschland entsorgt werden. Das FZJ prüft laut FR seit 2012 eine Entsorgung der Brennelemente des AVR-Reaktors in den USA und wird dabei vom NRW-Forschungsministerium und vom Bundesforschungministerium unterstützt. Das ergibt sich aus einer gemeinsamen Absichtserklärung („Statement of Intent“), die die deutschen Stellen und das US-Energieministerium im Frühjahr 2014 unterzeichnet haben. Darin heißt es der Zeitung zufolge, es solle untersucht werden, ob der Atommüll zum militärischen US-Atomkomplex „Savannah River Site“ im Bundesstaat South Carolina gebracht und dort weiterverarbeitet werden kann. Die Grünen werfen FZJ und Ministerien vor, einen Trick zu verwenden, indem sie den Reaktor zum „Forschungsreaktor“ umdefinieren, dessen Brennelemente nicht unter das Ausfuhrverbot fallen würde, das seit 2005 für Atommüll aus kommerziellen Reaktoren zur Stromproduktion gilt, schreibt die Zeitung. In der Absichtserklärung heißt es, das ursprünglich aus den USA stammende Uran, das im Jülicher Reaktor eingesetzt wurde, sei „in Deutschland zu Forschungs- und Entwicklungszwecken“ benutzt worden. Die Internationale Atombehörde IAEA klassifiziert den AVR jedoch als stromproduzierenden Reaktor. Das FZJ teilte der „Frankfurter Rundschau“ dazu auf Anfrage mit, der AVR habe „zwar auch Strom erzeugt, prägend für den Betrieb der Anlage war jedoch der Forschungs- und Entwicklungszweck“. „Die derzeit geprüfte Option der Verbringung der Brennelemente in die USA wäre daher rechtlich zulässig“, sagte ein Sprecher.

Über dts Nachrichtenagentur

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