Germanwings-Absturz: Grüne fassungslos über "Jagd" auf Trauernde

Germanwings, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Germanwings, über dts Nachrichtenagentur

Berlin – Die medienpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Tabea Rößner, hat entsetzt darauf reagiert, dass Journalisten in der besonders von dem Germanwings-Absturz betroffenen westfälischen Gemeinde Haltern am See Trauernde bedrängt haben sollen, um an Informationen zu kommen: „Die derzeitige Berichterstattung über die Hintergründe des Flugzeugabsturzes von Germanwings macht mich manchmal fassungslos. Kinder werden mit Geld bestochen, Trauernde belagert, geheime Akten veröffentlicht – all dies, bevor die genauen Umstände tatsächlich verifiziert sind“, sagte Rößner dem „Handelsblatt“ (Onlineausgabe). „Es gleicht einer Jagd.“

Dies sei zwar keine neue Entwicklung, sagte Rößner weiter, allerdings scheine der stetig wachsende Nachrichtendruck auf die Medien Wirkung zu zeigen. „Immer mehr Medien überschreiten die Grenzen, um nicht ins `Hintertreffen` zu geraten.“ Ereignisse wie die Flugzeug-Katastrophe bedeuteten daher eine „Gratwanderung in der Berichterstattung“ für Journalisten: Auf der einen Seite stehe das Informationsbedürfnis, auf der anderen Seite die Privatsphäre der Opfer und ihrer Angehörigen sowie auch eines vermeintlichen Täters. „Gleichwohl ist von Journalisten zu erwarten, diesen Drahtseilakt zu beherrschen“, sagte Rößner. Hoffnungsfroh stimme sie, dass einige Medien bewusst entschieden hätten, gewisse Bilder und Informationen nicht zu veröffentlichen. Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Michael Konken, hält es für problematisch, wenn das Haus des Co-Piloten der abgestürzten Germanwings-Maschine im Fernsehen gezeigt und sein voller Name in verschiedenen Medien veröffentlicht werde. „Der Journalismus schafft sich dadurch nicht ab, zieht aber massive Kritik auf sich“, sagte Konken dem „Handelsblatt“ (Onlineausgabe). „Wenn Journalisten nichts wissen, weil es keine Fakten gibt, sollten sie das sagen.“ Spekulieren könne jeder selbst, dafür würden keine Medien benötigt. „Leser, Zuschauer und Hörer erwarten von uns Journalisten zu Recht Neuigkeiten und Hintergründe, aber nicht Vermutungen und Tabubrüche“, betonte Konken.

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