Geox-Gründer Polegato kritisiert Italiens Industriepolitik

Rom/Berlin – Der italienische Schuhunternehmer und Geox-Gründer Mario Moretti Polegato hält nichts von der Kritik seiner Landsleute an Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrer Europapolitik. „Unternehmer, die seriös sind und arbeiten wie ich, lieben die Merkel und finden sie sehr professionell“, sagte Polegato der „Süddeutschen Zeitung“ (Montagsausgabe). „Für andere ist Merkel eine Gefahr“, so der Modeunternehmer weiter.

„Das sind diese Leute, die sagen: Wir machen die Dinge morgen. Oder übermorgen. Oder gar nicht.“ Italien sei heute „weit weg von all dem, was einen Markt ausmacht“, kritisierte der Unternehmer. „Wir haben eine Bürokratie, die so stark ist, dass noch nicht mal wir einheimischen Unternehmer richtig arbeiten können.“ Er habe deshalb Verständnis für die Entscheidung von Fiat-Chef Sergio Marchionne, den rechtlichen Firmensitz des Konzerns in die Niederlande und das Steuerdomizil nach Großbritannien zu verlegen. „Der Staat sollte lieber überlegen, wie er die richtigen Bedingungen schafft“, so Polegato weiter. „Es ist nicht Marchionnes Schuld. Italien ist eben kein guter Ort für Unternehmen.“ Dass auch in Italien Politiker mit dem Ausstieg aus dem Euro und der Rückkehr zur Lira liebäugeln, hält Polegato, der aus seiner Idee atmungsaktiver Schuhe ein Weltunternehmen geformt hat, für gefährlich. „In der Geschichte können Sie nur nach vorne, niemals nach hinten“, sagte er. „Wir sind in Europa, da kann niemand glauben, dass wir wieder zurückgehen. Fragen Sie mal unsere Jungen, was sie davon halten. Wir können doch nicht zu Karl dem Großen zurückkehren.“ Einen Einstieg in die Politik nach dem Vorbild des Milliardärs und Medienunternehmers Silvio Berlusconi schließt Polegato aber aus: „Nein danke. Ein Unternehmer muss Probleme schnell lösen, Politiker denken langfristig. Politik und Wirtschaft, das sind zwei völlig unterschiedliche Geschäfte.“

Über dts Nachrichtenagentur

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