Geisterschiffe im Mittelmeer – Das mörderische Geschäft der Flüchtlingsschleuser

Report Muenchen ARD BRNach Recherchen des ARD-Politikmagazins report München sind einige der Flüchtlingsschiffe, die in den letzten Wochen an der italienischen Südküste anlandeten, sabotiert worden. Die mit bis zu 700 Menschen gefüllten, schrottreifen Frachter waren manipuliert und hätten jederzeit untergehen können. Dies bestätigte der Kapitän eines Bergungsschleppers report München: Demnach wurden zahlreiche Schrauben am Schiffsheck gelockert, so dass Wasser eindrang, bis das Schiff Schlagseite bekam und zu sinken drohte.

Die in der Türkei operierende Schleppermafia bietet sogar auf Facebook-Seiten ihre Dienste an. Zu Preisen von bis zu 6.000 Dollar pro Person werden Flüchtlinge aus dem syrischen Grenzgebiet auf vor der Küste liegende Schiffe gebracht. Ein türkischer Schlepper schildert in der ARD-Sendung die nahezu perfekte Organisation des Flüchtlingstransports durch mehrere Schlepperriegen vom Kriegsgebiet bis aufs Flüchtlingsschiff.

Der Reingewinn pro Flüchtlingstransport wird auf bis zu 2 Millionen Euro geschätzt. Gegen Ende der Fahrt gehen die Schleuser von Bord, die Schiffe werden sich selbst überlassen. Werden sie nicht rechtzeitig gerettet, dann können sie sinken. Das nehmen skrupellose Schlepperbanden offenbar bewusst ins Kalkül: Je weniger Flüchtlinge ankämen, desto weniger Aufmerksamkeit erregten Flüchtlinge und Schleuser, so der Kapitän gegenüber Report München.

Am heutigen Dienstag muss die EU-Kommission zum Problem der sich häufenden Geisterschiffe und Schleuserringe Stellung beziehen. Das Europaparlament hat den EU-Kommissar für Migration und Sicherheit, Dimitris Avramopoulos, ins Plenum in Straßburg bestellt. Er soll erklären, was die EU gegen das schmutzige Geschäft der Schleuserbanden unternehmen will.

Mehr dazu im ARD-Politikmagazin report München am Dienstag, 13.01.2015, 21.45 Uhr im Ersten.