Gauck weist Verständnis für Russland zurück

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Berlin – Mit deutlichen Worten hat Bundespräsident Joachim Gauck eine verständnisvolle Haltung für die russische Seite im Ukraine-Konflikt zurückgewiesen. „Ich kann die Auffassung mancher Beobachter und Kommentatoren nicht nachvollziehen, dass man es Russland nicht zumuten könne, wenn in seinem Umfeld andere Völker eigene Politik-Entscheidungen treffen“, sagte Gauck der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Freitagausgabe). „Als Teil der ostdeutschen Demokratiebewegung hätte ich mich auch niemals mit dem Gedanken zufrieden gegeben, dass eine Demokratisierung Ostdeutschlands und Polens Moskau nicht zumutbar sei“, sagte Gauck.

„Das Selbstbestimmungsrecht der Völker hat Vorrang“, betonte er. Deshalb müsse der selbst gewählte, auch an einer engen Zusammenarbeit mit der EU orientierte Weg der Ukraine respektiert werden. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass wir in vorauseilendem Gehorsam die Empfindsamkeiten Russlands ernster nehmen sollten als das Selbstbestimmungsrecht der ukrainischen Bevölkerung.“ Gauck betonte auch, dass er keine Fehler in der Russland-Politik des Westens sehe. „Die Nato und die EU waren nach der deutschen Wiedervereinigung an Russland mit Vertrags- und Bündnisangeboten herangetreten. Es war das Interesse des Westens, Russlands Sicherheit zu garantieren.“

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