Früherer EZB-Volkswirt Stark attackiert Zentralbank scharf

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Berlin – Der frühere Chef-Volkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, hat die EZB massiv kritisiert. „Die EZB demonstriert nicht Führung, sondern gibt den Erwartungen der Finanzmärkte als auch politischem Druck aus Frankreich und Italien nach“, sagte Stark in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Focus“. So empfinde er die Manipulation des Euro-Dollar-Wechselkurses „als einen schockierenden Vorgang“.

Der Euro-Wechselkurs sei für die EZB seit ihrer Gründung ein Tabu gewesen. „Dass Politiker aus Frankreich und Italien wie einst beim Franc oder der Lira eine Abwertung einfordern, überrascht mich nicht“, so Stark. „Dass die EZB dem aber nachgibt und Maßnahmen mit einer gezielten Schwächung des Euro begründet, zeigt, wie sehr sie sich inzwischen auf einer schiefen Ebene befindet. Dort gibt es keine Tabus mehr.“ Auch der beschlossene Ankauf von Kreditverbriefungen (ABS) mit dem Ziel, diesen Markt wieder zu beleben, hat nach den Worten von Stark „nichts mit Geldpolitik zu tun“. Die EZB nehme mit diesen Papieren „unkalkulierbare Risiken“ in ihre Bilanz. „Dafür müssen die Steuerzahler des Eurogebiets im Fall von Verlusten haften“, sagte Stark. „Dies kann zu erheblichen Umverteilungseffekten zwischen den Mitgliedstaaten führen. Hierfür hat die EZB keine demokratische Legitimation.“ Die aktuelle Deflationsdebatte bezeichnete Stark, der auch Vizepräsident der Bundesbank war, als absurd. „Wir haben Preisstabilität. Das stärkt die Kaufkraft“, so der Ökonom. „Jetzt wird aber das Vertrauen in den Euro durch Politiker und Zentralbanker untergraben, indem sie den Euro weich klopfen. Ein unerhörter Vorgang.“

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