Fritz J. Raddatz will seine Tätigkeit als Journalist beenden

Berlin – Der Kritiker und Essayist Fritz J. Raddatz will mit 83 Jahren seine Tätigkeit als Journalist beenden: Sein kritisches Urteil entspreche nicht mehr der Zeit. „Ich habe mich überlebt“, erklärt Raddatz in einem exklusiven Beitrag in der „Literarischen Welt“ („Welt“-Printausgabe vom Samstag). Er sei nicht mehr zeitgemäß und spreche sich deswegen selbst die Legitimation zu „lautem Klagelied“ oder „leisem Lobpreis“ ab.

Raddatz gilt als einer der führenden Publizisten Deutschlands, als Lektor und Kritiker hat er die Nachkriegsliteratur über Jahrzehnte entscheidend geprägt. Nun schreibt Raddatz, dass er seine ästhetischen Kriterien für veraltet halte: „Diese Welt – in der ich mich durchaus noch kundig machen möchte – weicht von mir, gibt mir keine Kunde mehr; ich bin aus der Welt gefallen. Ihre Zeichen werden mehr und mehr zu Rätseln – unlösbar oft, abstoßend nicht selten, sind meiner Lebensart, meinem Habitus, meinem Geschmack ungemäß.“ Seinen Abschied mehr als sechzig Jahren im Journalismus verbindet er mit einem Dank an seine Leser: „Time to say goodbye. Goodbye.“ Fritz J. Raddatz begann seine journalistische Laufbahn Anfang der 50er-Jahre bei der „Berliner Zeitung“. Nach seiner Arbeit als Cheflektor beim Ost-Berliner Verlag „Volk und Welt“ siedelte er 1958 in die Bundesrepublik über und wurde stellvertretender Leiter des Rowohlt Verlags. Von 1976 bis 1985 leitete er das Feuilleton der „Zeit“. Seit August 2013 veröffentlichte er in der „Literarischen Welt“ seine Kolumne „Der Nörgler“. In diesem Frühjahr erschienen seine Tagebücher der Jahre 2002 bis 2012 (Rowohlt Verlag).

Über dts Nachrichtenagentur

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