Fifa-Funktionär Zwanziger lehnt Boykott der WM in Russland ab

Theo Zwanziger, Deutscher Bundestag  / Anke Jacob,  Text: über dts Nachrichtenagentur
Foto: Theo Zwanziger, Deutscher Bundestag / Anke Jacob, Text: über dts Nachrichtenagentur

Berlin – Theo Zwanziger, Mitglied im Exekutivkomitee der Fifa und Ex-DFB-Präsident, weist Forderungen aus der Politik, Russland wegen seiner möglichen Verwicklung in den mutmaßlichen Abschuss eines Passagierflugzeugs über der Ostukraine die Gastgeberrolle bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 abzuerkennen, zurück. „Der Ruf nach einem Einschreiten der Fifa kommt immer sehr schnell. Dabei hat ein Boykott im Sport nur selten etwas gebracht und deshalb halte ich von einem solchen Vorschlag auch nichts“, sagte Zwanziger im Gespräch mit „Handelsblatt-Online“.

„Die WM ist nach Russland vergeben worden, es wurden Verträge unterschrieben und Rechte vergeben.“ Dass der Vize-Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Fuchs, bei „Handelsblatt-Online“ Deutschland bereits als Ersatz-Austragungsort nennt, klingt für Zwanziger „sehr populistisch“. Nach dem Motto: „Jetzt sind wir schon Weltmeister, dann wollen wir auch die Weltmeisterschaft. Mit einem solchen Vorstoß erweckt man bei einer weltumspannenden Organisation wie der Fifa keine Sympathien.“ Der Fifa-Funktionär sieht den Sport aber nicht gänzlich unpolitisch, nur sei ein Boykott der falsche Weg. „Der Sport muss dort hingehen, auch wenn es weh tut. Nur dann kann er auch für seine Werte und Überzeugungen wie Toleranz, Fairness, ein friedliches Miteinander einstehen. Ein Ausgrenzen Russlands hilft nicht weiter.“ Stattdessen seien Sportler und Funktionäre in der Pflicht, bei ihren Begegnungen mit russischen Sportlern und Funktionären für die Werte des Sports einzustehen. „Das heißt aber, dass sich die Verantwortlichen nicht nur mit den Mächtigen umgeben dürfen, sondern auch Kontakt mit Oppositionellen und Menschenrechtsorganisationen aufnehmen“, sagte Zwanziger. „Für mich ist es daher ein Unding, dass sich der Siemenschef mit Putin fotografieren lässt. Und es ist falsch, wenn die deutsche Wirtschaft Russland unisono für die Olympischen Spiele lobt.“ Vielmehr müssten Politik, Wirtschaft und auch der Sport zusammen auf Russland einwirken – mit den Mitteln, die den Beteiligten in ihrem Bereich zur Verfügung stünden.

Über dts Nachrichtenagentur

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