EZB plant Meldestelle für Cyber-Angriffe

Frankfurt/Main (dts Nachrichtenagentur) – Die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) reagieren auf die wachsende Gefahr von Hacker-Attacken auf Finanzinstitute. „Wir wollen eine Datenbank für Cyber-Störfälle schaffen. Sie soll uns als Frühwarn- und Analysesystem dienen“, sagte der stellvertretende Generaldirektor für Querschnittsthemen bei der EZB-Bankenaufsicht, François-Louis Michaud, dem „Handelsblatt“.

Banken sollen die EZB dabei nur über schwerwiegende Bedrohungen aus dem Internet informieren, nicht über kleinere Attacken. Seit Februar läuft dazu ein Pilotprojekt, an dem 18 von der EZB beaufsichtigten Banken teilnehmen. Später sollen einmal alle von der EZB direkt kontrollierten Kreditinstitute Informationen einliefern. Hacker-Angriffe gelten als wachsende Gefahr in der Finanzbranche. 2014 stahlen Internetkriminelle Informationen über Millionen Kunden der US-Großbank JP Morgan. Europa ist bislang von gravierenden Angriffen verschont geblieben. „Banken sind im Grunde ständig kleineren Cyber-Attacken ausgesetzt, aber bislang haben wir in Europa noch keinen wirklich schwerwiegenden Vorfall erlebt, der enorme finanzielle Verluste, eine schwere Störung des Geschäftsbetriebs oder einen gravierenden Reputationsschaden verursacht hat“, so Michaud. Bislang seien die Banken also immer in der Lage gewesen, mit den Gefahren aus dem Netz klar zu kommen. Die Bankenaufseher wollen aber, dass die Branche gerüstet ist. Vor einem Jahr führte die Notenbank eine umfassende Umfrage zu IT-Sicherheit unter den großen Banken durch. „Mit unserer Umfrage wollten wir bei den Banken auch das Bewusstsein dafür schaffen, dass sie in das Thema investieren müssen“, sagte Michaud.

EZB, über dts Nachrichtenagentur
Foto: EZB, über dts Nachrichtenagentur