Experte sieht Gemeinsamkeiten bei Dschihad-Touristen und Sektenopfern

Berlin – Der Essener Sektenexperte Christoph Grotepass erkennt in jungen Islamisten, die aus Deutschland in den Kampf nach Syrien fahren, viele Gemeinsamkeiten mit Sektenopfern. „Die autoritären Strukturen, Schwarz-Weiß-Bilder, das Ausnutzen des jugendlichen Idealismus, die Abschottung von der angeblich bösen Außenwelt und die Feindbilder, das sind alles Merkmale, die uns aus unserer jahrelangen Arbeit sehr vertraut sind“, erklärte der evangelische Theologe und Referent der Sekten-Info Nordrhein-Westfalen im Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ (Samstagsausgabe). Bestimmte Werte würden als absolut gestellt und alles andere der eigenen Wahrheit untergeordnet.

„Das wiederum – das man im Besitz der einzigen Wahrheit ist – hören wir auch von anderen konfliktträchtigen Weltanschauungsgemeinschaften, beziehungsweise sogenannten Sekten.“ Junge Menschen erlebten bei den Islamisten erstmals das Gefühl, wichtig zu sein. Ihr islamischer Hintergrund werde nicht wie sonst als problematisch erlebt, sondern geradezu verklärt. Grotepass forderte eine bessere Jugendarbeit. Wichtig sei, dass sehr frühzeitig ein soziales Netzwerk aktiviert werde. „Wir sind in der Vergangenheit viel zu wenig auf jugendliche Muslime eingegangen. Es fehlt so ziemlich an allem. Einerseits an Jugendarbeit, andererseits an einer islamischen Theologie, die in Deutschland weiterentwickelt wird und hier auch ihre Heimat findet; die weniger autoritär und archaisch ist.“ Angehörigen empfiehlt er, genau hinzuschauen. Spätestens wenn einer plötzlich anfange, Gewalt zu rechtfertigen, sollte man alarmiert sein.

Über dts Nachrichtenagentur

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