Experte: Betriebe sollten stärker um Azubis aus der Ferne werben

Berlin – Der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Hubert Esser, ist der Ansicht, dass kleine und mittlere Betriebe sich auch über ihre Region hinaus um Auszubildende bemühen sollten. Auch Jugendliche müssten „verstärkt ermutigt werden, sich auch um Plätze außerhalb ihrer Heimat zu bewerben“, sagte Esser der Digitalzeitung „Handelsblatt Live“. An ihrer Einstellung zur Mobilität „sollte bereits in der Schule gearbeitet werden“.

In Deutschland bleiben immer mehr Lehrstellen unbesetzt – dennoch wirbt kaum ein Betrieb fern seines Standortes um Azubis: Nur fünf Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen suchen außerhalb eines Radius von 100 Kilometern – zwei Drittel dagegen lediglich in einem Umkreis von 20 Kilometern, wie laut „Handelsblatt Live“ eine Betriebsbefragung des BIBB ergab. Auch die Jugendlichen scheuen eine Lehre fern der Heimat: Nur zwölf Prozent der Azubis haben sich in Betrieben beworben, die weiter als 100 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt sind, zeigt eine Schulabgängerbefragung des BIBB. Sogar unter denen, die noch einen Ausbildungsplatz suchen, sind es demnach nur 16 Prozent. Folge: Bewerber und Betriebe kommen nicht zusammen. So konnten im Jahr 2013 rund 33.500 gemeldete Lehrstellen nicht besetzt werden; 40 Prozent der Betriebe konnten nicht alle Lehrstellen besetzen, schreibt „Handelsblatt Live“. Zugleich gab es im Herbst 21.000 unversorgte Bewerber und weitere 62.500, die trotz einer bereits erhaltenen Zusage weiter einen Ausbildungsplatz suchen. Bereits bestehende Fördermöglichkeiten wie betreutes Jugendwohnen und die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) der Bundesagentur (BA) sind bisher kaum bekannt: Sechs von zehn Betrieben geben in der BIBB-Umfrage an, davon nichts oder wenig zu wissen. Ein Drittel kennt die Hilfen, hat sie aber nie genutzt. „Konzepte sind vorhanden“, sagte Esser, „es gilt aber, sie in die Fläche und in die Praxis zu tragen“. Im April 2014 erhielten rund 80.000 Azubis Ausbildungsbeihilfe – von insgesamt 1,4 Millionen.

Über dts Nachrichtenagentur

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