Ex-EZB-Chefvolkswirt warnt vor Risiken der geldpolitischen Entscheidungen

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Frankfurt/Main – Der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, warnt vor den enormen Risiken der jüngsten geldpolitischen Entscheidungen. „Die Märkte werden zu einem Zeitpunkt zusätzlich geflutet, in dem sowieso schon reichlich überschüssige Liquidität weltweit vorhanden ist“, schreibt Stark in einem Gastkommentar für das „Handelsblatt“ (Dienstagausgabe). Diese Geldpolitik führe zu „fundamental verzerrten Marktbedingungen, etwa für Anleihen hoch verschuldeter Euro-Länder und Übertreibungen in anderen Finanzmarktsegmenten“.

„Die notwendige Korrektur, wann auch immer sie kommt, kann zu einer neuen schweren Krise führen“, schreibt Stark. Die EZB hatte vergangenen Donnerstag beschlossen, den Leitzins um 0,10 Prozentpunkte auf 0,05 Prozent und damit auf ein historisches Tief zu senken. Außerdem will die EZB ab Oktober den Banken mit Krediten besichterte Wertpapiere (ABS) abkaufen. „Die Nullzinsen werden keinen einzigen Euro an zusätzlicher Kreditvergabe bewirken und diese Ineffektivität wird längerfristig unter anderem die Reputation der EZB noch mehr untergraben“, so Stark. Mit dem Ankauf von ABS – „welcher Qualität auch immer“ – nehme die EZB enorme Risiken auf ihre Bilanz und mache sich zu einer europäischen „Bad Bank“. Stark sieht eine komplett „veränderte Rolle der EZB“. Die potenziellen Umverteilungseffekte seien „enorm“. „Für Entscheidungen mit derart weitreichenden Folgen ist der EZB-Rat nicht demokratisch legitimiert“, warnt Stark.

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