Ex-Bundesliga-Schiedsrichter warnt vor weiteren Suiziden im Profi-Fußball

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Berlin – Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati, der 2011 vor dem Bundesliga-Spiel Köln gegen Mainz einen Suizidversuch unternahm und überlebte, erhebt schwere Vorwürfe, dass sich nach dem Freitod der depressiven Profis Robert Enke und Andreas Biermann nichts im Profifußball zum Guten geändert habe. „Der DFB sagt bislang immer, man müsse sensibilisieren und enttabuisieren. Aber das sind meiner Meinung nach nur leere Worte“, sagte Rafati der „Welt am Sonntag“.

Es sei nicht genug, Stiftungen zu gründen und Hotlines einzurichten, bei denen Betroffene anrufen können. „Wir müssen endlich proaktiv und präventiv arbeiten, die Dinge klar ansprechen.“ Der 44-Jährige kritisierte den Deutschen Fußball-Bund besonders im Fall des Andreas Biermann, der am 18. Juli seinem Leben ein Ende gesetzt hatte. „Biermann hat einmal gesagt, dass es schön wäre, wenn er als Betroffener mal vom DFB gefragt werden würde, wie es sich als Profifußballer mit Depressionen lebt“, so Rafati. „Aber der DFB habe ihn nie danach gefragt, kritisierte er einmal. Jetzt ist es zu spät. So etwas darf nicht mehr vorkommen. Biermann hatte zuvor schon dreimal versucht, sich umzubringen. Das waren drei Hilferufe, die nicht erhört wurden.“ Der Tod des ehemaligen Profis habe Rafati zutiefst erschüttert. „Es ist schrecklich. Er war gerade mal 33 Jahre alt, hatte Familie“, äußerte der Ex-Referee. Rafati möchte in Zukunft mithelfen, das Umfeld im Profifußball für Depressive und ihre Probleme zu sensibilisieren. „Mein Vorschlag ist, dass ich mich mit den Spielern der jeweiligen Lizenzvereine zusammensetze“, so Rafati, „bei Bedarf auch im Einzelcoaching und regelmäßig. Der DFB könnte außerdem ein Manuskript ausarbeiten, das auch in anderen Ligen und Vereinen verbreitet wird. Ich rede hier von wirklicher Hilfe, ich will nichts Scheinheiliges.“ So wie in der Vergangenheit, beklagte Rafati, „geht es nicht weiter.“ Er hätte deshalb kein Verständnis dafür, wenn der DFB sein Angebot zur Zusammenarbeit zurückweisen würde. „Ich würde es nicht begreifen. Wenn wir weiterhin wegschauen, machen wir uns mitschuldig“, so Rafati. „Wir müssen endlich anfangen, den Menschen zu helfen. Wir brauchen eine Revolution. Ändert sich nichts, benötigen wir bald einen dritten Ellbogen. Und es wird viele weitere Selbstmorde geben.“

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