Ex-Außenminister Genscher für Neuanfang in der Beziehung zu Russland

Mauer des Kreml in Moskau, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Mauer des Kreml in Moskau, über dts Nachrichtenagentur

Berlin – Der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher fordert ungeachtet des Konflikts um die Ukraine einen Neuanfang in der Beziehung zu Russland und dessen Präsident Wladimir Putin. „Angesichts der völlig neuartigen Bedrohung durch entstaatlichte Gewalt, wie die der ISIS, müssen wir erkennen, dass die gemeinsamen Interessen mit Russland erheblich größer sind als die Differenzen“, sagte Genscher der „Bild am Sonntag“. „Deshalb plädiere ich für einen Neuanfang in den Beziehungen zu Russland.“

Er begründete seine Forderung mit der nach wie vor zentralen Bedeutung Russlands. „Es ist noch immer eine Großmacht. Noch immer gibt es zwei dominierende Atommächte auf der Welt, die die Stabilität in diesem Bereich garantieren. Ich kann daher nachvollziehen, wenn man in Moskau auf einem Dialog auf Augenhöhe besteht.“ Kritisch äußerte sich Genscher zu Moskaus Ukraine-Politik: „Putins Vorgehen in der Ukraine ist natürlich nicht akzeptabel. Aber es geht um die Gestaltung einer stabilen multipolaren Weltordnung.“ Nach den Worten Genschers hat aber auch die EU Fehler gemacht: „Putin hat in einer Rede im Bundestag während seiner ersten Amtszeit als Präsident sich den Vorschlag einer gesamteuropäischen Freihandelszone zu eigen gemacht. Hätte die EU Putin beim Wort genommen, hätte Moskau auf das Thema EU-Mitgliedschaft der Ukraine meiner Überzeugung nach ganz anders reagiert“, so Genscher weiter. „Die EU sollte Putins Bereitschaft zu einer Freihandelszone neu aufnehmen.“ Genscher hält es nicht für ausgeschlossen, dass es zu Putin künftig wieder ein Vertrauensverhältnis gibt: „Ich glaube ja. Man muss es auf jeden Fall versuchen.“

Über dts Nachrichtenagentur

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