Erstmals mehr Riester-Verträge gekündigt als abgeschlossen

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Die Nullzinsphase und anhaltende Negativschlagzeilen bringen die Riester-Vorsorge endgültig zum Erliegen. Nach einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeigers“ (Donnerstagausgabe) sind im ersten Quartal diesen Jahres erstmals mehr Verträge gekündigt als abgeschlossen worden. Das Blatt zitiert eine Statistik des Bundessozialministeriums, derzufolge die Zahl der Riester-Verträge in den ersten drei Monaten um rund 1.000 auf 16,481 Millionen zurückging.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gibt der Politik die Mitschuld. Ganz offensichtlich wachse die Zahl der Menschen, „die durch die zum Teil unsachlich geführte Rentendebatte verunsichert sind“, sagte GDV-Präsident Alexander Erdland dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Manche Experten hatten die Riester-Verträge schon immer für wenig lohnenswert gehalten, möglicherweise kommt diese Erkenntnis nun auch bei den potentiellen Versicherten an. Der Geschäftseinbruch befeuert zudem die politische Debatte um eine Reform der geförderten Altersvorsorge. „Die Mechanik des Walter Riester – sinkendes Rentenniveau hier, stärkere private Vorsorge dort – geht erkennbar nicht auf“, sagte Grünen-Rentenexperte Markus Kurth der Zeitung: „Wir brauchen besser heute als morgen einen Neustart.“ Auch SPD-Fraktionsvize Carola Reimann erklärte: „Die Erwartungen haben sich nicht erfüllt.“ Während die Versicherer bessere Rahmenbedingungen für die private Altersvorsorge fordern, setzt die große Koalition auf eine Stärkung der Betriebsrenten: „Wenn eine Säule schwächelt, muss man die beiden anderen umso stärker machen“, erklärte Reimann. Ähnlich äußerte sich Unions-Rentenexperte Peter Weiß (CDU): „Im Vordergrund steht nun eine Reform der betrieblichen Altersvorsorge, für die man auch die Riester-Förderung nutzen sollte“, sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger. Nach Informationen des Blattes will die Regierung noch vor der Sommerpause entsprechende Vorschläge machen.

Senioren und Jugendliche, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Senioren und Jugendliche, über dts Nachrichtenagentur