Erschreckend – 30 Prozent der Erwerbstätigen sind psychisch krank

Foto: Barmer GEK

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Bei 29,7 Prozent der Erwerbspersonen wird innerhalb eines Jahres mindestens einmal eine psychische Erkrankung diagnostiziert. Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport der BARMER GEK hervor. Sechs Prozent waren mit einer entsprechenden Diagnose arbeitsunfähig gemeldet, ein Prozent wurde stationär im Krankenhaus behandelt.

 

Für den BARMER GEK Gesundheitsreport hat das Göttinger Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (AQUA) die pseudonymisierten Daten von rund 3,5 Millionen Versicherten ausgewertet.

Demnach erkranken Frauen merklich öfter als Männer an einer psychischen Störung, Ältere häufiger als Jüngere und Arbeitslose öfter als Berufstätige. Am häufigsten, nämlich bei rund elf Prozent der Erwerbstätigen, wird eine Depression diagnostiziert. Das Burnout-Syndrom scheint dagegen eine untergeordnete Rolle zu spielen.

 

Wenige Krankschreibungen, aber viele Fehltage

Psychische Erkrankungen ziehen nur etwa bei einem Fünftel der Betroffenen eine Arbeitsunfähigkeit nach sich. Wenn aber eine Krankmeldung erfolgt, dann fallen die Betroffenen durchschnittlich für 52 Tage im Job aus. Deshalb sind die psychischen Erkrankungen für 17,4 Prozent der bundesweiten Fehltage verantwortlich.

 

Psychische Erkrankungen in Baden-Württemberg

Mit 30,2 Prozent sind in Baden-Württemberg mehr Erwerbspersonen von einer psychischen Erkrankung betroffen als im Bundesdurchschnitt. Trotz höherer Diagnoserate wurden mit 256 Arbeitsunfähigkeitstagen (AU-Tage) je 100 Erwerbspersonen deutlich geringere Fehlzeiten als im Bundesdurchschnitt erfasst (314,3 AU-Tage). Bei fast 12 Prozent der Erwerbspersonen im Südwesten wurde eine Depression diagnostiziert. Auch hier sind die Fehlzeiten in Baden-Württemberg mit rund 115 AU-Tage je 100 Erwerbspersonen unterdurchschnittlich (Bund: 146 AU-Tage).

 

Mehr Therapeuten, mehr Therapien

Bundesweit haben 2,9 Prozent der Erwerbstätigen im Jahr 2012 eine Psychotherapie erhalten, in Baden-Württemberg 3,2 Prozent. Laut BARMER GEK Gesundheitsreport weisen Therapeutendichte und Psychotherapie einen engen statistischen Zusammenhang auf. So erhielten in Heidelberg, dass die bundesweit höchste bevölkerungsbezogene Therapeutendichte hat, 6,7 Prozent der Erwerbspersonen eine Therapie. Das ist die höchste Behandlungsrate in ganz Deutschland. Im Ostalbkreis dagegen, wo die Therapeutendichte nur halb so hoch ist wie im Bundesdurchschnitt, erhielten nur 1,4 Prozent eine Psychotherapie.

 

Psychische Erkrankungen nach Alter und Geschlecht

Am häufigsten wird eine psychische Störung im Alter zwischen 55 und 59 Jahren diagnostiziert. Altersübergreifend sind rund 23 Prozent der männlichen und fast 38 Prozent der weiblichen Erwerbspersonen betroffen. Auffällig ist, dass fast 21 Prozent der 16- bis unter 20-Jährigen ein psychisches Leiden aufweisen, und dass in dieser Altersgruppe auch die meisten Krankenhausbehandlungen aufgrund einer psychischen Störung erfasst werden. Bei den jungen Männern ist hierfür maßgeblich der Alkoholmissbrauch verantwortlich.

 

Depressionen

Die depressive Episode ist die häufigste Diagnose unter den psychischen Erkrankungen, Arbeitsunfähigkeiten aufgrund von Depressionen sind aber relativ selten. Nur jede/r 5. Betroffene wird auch arbeitsunfähig. Dennoch lassen sich der Depression mehr Fehltage als jeder anderen psychischen Störung zuordnen. Ursächlich ist die Länge der Arbeitsunfähigkeit, die im Schnitt bei über 71 Tagen liegt, gegebenenfalls im Rahmen mehrerer Krankschreibungen. 

 

Burnout-Syndrom

Das Burnout-Syndrom ist selten Grund für eine Krankmeldung. Der ICD-10-Code Z73, der unter anderem das Burnout-Syndrom auf ärztlichen Verordnungen und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen erfasst, wurde bei 1,86 Prozent der Erwerbspersonen dokumentiert. Bei 0,26 Prozent zog die Diagnose eine Krankmeldung nach sich. Mit 10,3 Fehltagen je 100 Erwerbspersonen scheint das Burnout-Syndrom sowohl hinsichtlich der Fehlzeiten als auch mit Blick auf die diagnostizierten Fälle eine eher untergeordnete Rolle zu spielen.

 

Psychische Erkrankungen nach Berufsfeldern

Am seltensten wird eine psychische Störung bei Erwerbspersonen aus technisch-naturwissenschaftlichen Berufen diagnostiziert (24,4 Prozent), am häufigsten bei Erwerbspersonen in Sozial- und Erziehungsberufen und Seelsorgern (32,6 Prozent). Aus dieser Berufsgruppe leiden 13,2 Prozent explizit unter einer Depression, sie  bekommen am häufigsten Psychopharmaka verordnet und befinden sich relativ häufig in therapeutischer Behandlung (4,5 Prozent). Eine merklich höhere Diagnoserate als Berufstätige weisen Arbeitslosengeld-I-Empfänger auf. 41,7 Prozent haben eine psychische Störung, eine Depression wurde bei 20,7 Prozent diagnostiziert und sechs Prozent erhalten eine Therapie.

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