Ermittlungsgruppe „Ölfleck“ hat überregionale Ermittlungen aufgenommen

SOKO Ölfleck + 15.02.2013 + 13-0302

Die Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang mit weiteren Fällen in Baden-Württemberg hat zu einer Ausweitung der Ermittlungen geführt.

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Am frühen Abend des 17.04.2011 hatte sich auf der Staatsstraße 2013 zwischen Markt Rettenbach und Ottobeuren ein schwerer Verkehrsunfall ereignet. Ein damals 37-jähriger Motorradfahrer war auf eine Ölspur geraten und tödlich verunglückt. Die Ermittlungen ergaben, dass die Öllachen auf der Fahrbahn mittels grüner Weinflaschen bzw. klarer Sektflaschen vorsätzlich ausgebracht worden waren und es sich um gebrauchtes Motoröl handelte.

Altfälle führen zu neuer Betrachtungsweise

Die zunächst vorliegenden Erkenntnisse – z.B. Ölflecken auf absoluten Nebenstrecken – deuteten zunächst auf einen oder mehrere Tatverdächtige, der/die aus der Region um den tödlichen Unfall stammt/stammen, hin. Im Rahmen der weiteren Ermittlungen wurden nach Hinweisen aus dem Polizei- und Feuerwerbereich weitere Fälle von Fahrbahnverunreinigungen bekannt, bei denen ein Zusammenhang mit den Ölflecken bei Markt Rettenbach bestehen könnten.

Am 06.04.2007 mussten bei Bad Schussenried Lkr. Biberach an der Riß auf der Landstraße L 283 / L284 zwischen Ingoldingen und Reichenbach vier Ölflecken durch die Feuerwehr beseitig werden.

Im Zeitraum 12.04.2008 bis 13.04.2008 wurden im Landkreis Sigmaringen von den Einsatzkräften auf einer Strecke, welche von Leibertingen über die K8217, K8278 sowie die L277 führte 19 Ölflecken entdeckt.

Am 21.03.2010 wurden bei Schwendi auf der Ortsverbindungsstraße zwischen Regglisweiler und Orsenhausen an drei Stellen Ölflecken aufgefunden.

17.04.2011 Ölflecken mit tödlichen Folgen bei Markt Rettenbach.

 

Die bisherigen Tatörtlichkeiten erstrecken sich von Westen nach Osten auf einer Strecke von über 100 km (Luftlinie). Alle bisher bekannten Fälle weisen folgende Gemeinsamkeiten auf.

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Die Flecken wurden an einem Wochenende oder Feiertag zu Beginn der Motorradsaison verursacht.

Bei allen Fällen wurden Überreste von Flaschen, in der Regel grüne Weinflaschen, aufgefunden.

In allen Fällen ist davon auszugehen, dass diese Flaschen mit Altöl gefüllt waren.

Aufgrund des Spurenbilds ist von einem Abwurf aus einem fahrenden Fahrzeug auszugehen Bei allen Örtlichkeiten handelt es sich um kurvige und unübersichtliche Stellen die das potentielle Risiko für Motorradfahrer erhöhen.


Überregionale Ermittlungen

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Da das Vorliegen von weiteren Vorfällen nicht ausgeschlossen werden kann, wurden zwischenzeitlich großräumig (Bayern, Baden-Württemberg, Vorarlberg, Tirol, Schweiz, Liechtenstein) Polizeidienststellen bzw. Feuerwehren und Straßenverkehrsbehörden um Überprüfung ihrer Einsatzunterlagen gebeten.

 

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Zudem wird die Polizei in den nächsten Tagen auch auf Person aus Baden-Württemberg bezüglich der Abgabe einer freiwilligen Speichelprobe im Rahmen der DNA-Reihenuntersuchung zugehen. Hierbei handelt es sich in erster Linie um Personen von denen aufgrund der im Nachgang zum Unfall bei Markt Rettenbach erhobenen Mobilfunkdaten bekannt ist, dass sie sich zur Tatzeit in dem relevanten Bereich aufgehalten haben. Die abgegebenen Speichelproben werden ausschließlich mit dem im Zusammenhang mit der Ölspur sichergestellten DNA Muster abgeglichen. Ein Abgleich in der DNA-Analyse Datei findet nicht statt und eine Speicherung in dieser Datei ist gesetzlich untersagt. Die untersuchten Proben und daraus gewonnenen DNA Muster werden unverzüglich vernichtet, sobald sie für das Verfahren nicht mehr erforderlich sind. Die von der Maßnahme betroffenen Personen werden als unbeteiligte und unschuldige Personen behandelt.

 

Erhöhung der Auslobung

Aufgrund der jetzt bekannten möglichen Ausweitung des Falles wurde von einem Unternehmen das anonym bleiben möchte, eine weitere Auslobung von 3.000 Euro ausgesprochen. Das Bayer. Landeskriminalamt hat von der jetzigen Gesamtsumme von 53.000 Euro insgesamt 5.000 Euro ausgelobt. Eine Belohnung in Höhe von 3.000 Euro wurde von einem Privatmann aus dem Allgäu ausgelobt, die anderen 42.000 Euro von einem Geschäftsmann aus Nordrhein-Westfalen. Die Belohnung der Polizei kann nur unter Ausschluss des Rechtsweges zuerkannt werden. Für die Vergabe der Belohnung in Höhe von 48.000 Euro zeichnen ausschließlich die auslobenden Personen verantwortlich.

 

Erneuter Zeugenaufruf

Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass der oder die Täter auch in weiteren Fällen Ölflecken verursacht hat/haben, insbesondere in dem derzeit in der Reihe der bekannten Taten fehlenden Jahr 2009, setzt die Kripo Kempten die Suche nach weiteren Vorfällen und Zeugen fort. Die bei der Kripo Kempten angesiedelte Ermittlungsgruppe Ölfleck erbittet unter der Telefon 0831/9909-0 sachdienliche Hinweise:

Sind weitere Fälle bekannt, bei denen durch mit Öl gefüllte Glasflaschen entsprechende Ölflecke verursacht worden sind. Wer kann Hinweise zu den Vorfällen bei Leibertingen, Bad Schussenried und bei Schwendi geben?

Wer kann Hinweise auf Personen aus dem Bereich des Regierungspräsidiums Tübingen oder dem Allgäu geben,

… denen Motorradfahrer lästig sind? Hierbei könnten zum Beispiel der als störend empfundene Motorradlärm, eine erlebte Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit oder andere Gründe als Motiv für die Ablehnung denkbar sein.

… welche negative Erlebnisse mit Motorradfahrern hatten? Denkbare Motive wären insbesondere selbst erlebte Verkehrsunfälle oder Unfälle im Bekanntenkreis die sich unter Beteiligung von Motorradfahrern ereignet haben.

…die sich in der Vergangenheit vergeblich um die Aufnahme in einen Motorradclub bemüht haben bzw. zwangsweise einen Motorradclub verlassen mussten?

… die aufgrund einer der vorgenannten oder anderweitiger Motive eine Abneigung gegen Motorradfahrer haben und Aussagen getroffen haben, die in Richtung einer Selbstjustiz interpretiert werden können?

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