Édouard Louis hadert mit seiner Rolle als Schriftsteller

Paris (dts Nachrichtenagentur) – Der französische Schriftsteller Édouard Louis hadert mit seiner Rolle als berühmter Autor. Er sei es schon wieder leid, Édouard Louis zu sein, sagte der Schriftsteller, der mit bürgerlichem Namen Eddy Bellegueule heißt, dem „Zeitmagazin“. Er habe diesen Traum: „Ich fliege in eine kleine Stadt in Japan und beginne ein neues Leben. Niemand dort kennt meine Vergangenheit. Ein Leben, in dem ich nicht Eddy oder Édouard Louis bin, der schwule Schriftsteller aus der Arbeiterklasse.“

Ihm gefalle auch nicht, wie er aussehe. „Es ist eine Art Besessenheit, mich ständig ändern zu wollen. Ich plante sogar, mich tätowieren zu lassen, um nicht mehr die gleiche Haut zu haben.“ Seine Erfahrungen in der Kindheit hätten zudem dazu geführt, dass er heute kein Schweinefleisch und keinen Fisch esse. „Sobald mein Vater die Sozialhilfe durchgebracht hatte, ging er am Dorfteich fischen, und es gab jeden Tag Fisch. Dieser Gestank, wenn meine Mutter den Fisch schuppte und ausnahm! Mir wird heute noch von dem Geruch übel“, sagte Louis. Manchmal hätten auch mehrere Familien ein Schwein gekauft und geschlachtet. „Der Geruch des frischen Blutes war einfach widerlich.“ Und weiter: „Mein Vater hat von dem noch warmen Blut immer einen großen Schluck genommen und es genossen, dass ich mich fast übergeben habe. Seitdem kann ich kein Schweinefleisch und keinen Fisch mehr essen.“ Louis gelang mit seinem ersten Roman „Das Ende von Eddy“, der 2014 erschien, ein Bestseller. Derzeit ist er mit seinem neuen Roman „Wer hat meinen Vater umgebracht“ in Deutschland auf Lesereise.

Leser mit Büchern, über dts Nachrichtenagentur
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