DIW-Präsident vergleicht EZB-Krisenpolitik mit Bungee Jumping

EZB, über dts Nachrichtenagentur
Foto: EZB, über dts Nachrichtenagentur

Frankfurt/Main – Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), vergleicht die Krisenpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und anderer großer Notenbanken mit Bungee Jumping. „Uns sollte die gegenwärtige Politik aller großer Notenbanken Sorgen machen“, sagte Fratzscher im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“. „Sie machen etwas, was noch nie zuvor so ausprobiert wurde. Das ist ein wenig wie Bungee Jumping. Natürlich sichern sie sich ab auf alle möglichen Weisen und gehen davon aus, dass es schon klappen wird, aber letztlich ist es doch ein Sprung ins Ungewisse.“

Die EZB und andere große Notenbanken arbeiten seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 mit neuen und unkonventionellen Methoden. In der Euro-Zone haben die Notenbanker beispielsweise die Leitzinsen auf beinahe null Prozent gesenkt und experimentieren sogar mit negativen Zinsen. Fratzscher verteidigt diese unkonventionellen Methoden der Notenbanker: „Die Alternative wäre, gar nichts zu tun und das ist die hundertprozentige Garantie zu scheitern“, sagte der Ökonom der Zeitung. „Wer, bildlich gesprochen, springt, hat zumindest die Chance, dass es klappt, wenn er es kompetent macht und sich absichert. So hat sich die ganze Welt durch die Finanzkrise gewurschtelt.“ Fratzscher hat selbst zwischen 2001 und Anfang 2013 bei der Europäischen Zentralbank (EZB) gearbeitet und dort die Abteilung für internationale wirtschaftspolitische Analyse geleitet. Seit Februar 2013 ist er Präsident des DIW, des größten Wirtschaftsforschungsinstituts hierzulande.

Über dts Nachrichtenagentur

Anzeige