Deutschland und Niederlande treiben militärische Zusammenarbeit voran

Bundeswehrsoldaten, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Bundeswehrsoldaten, über dts Nachrichtenagentur

Berlin – Die Niederlande und Deutschland treiben die Zusammenarbeit ihrer Streitkräfte voran. Nachdem die 11. Luftbewegliche Brigade des Königlichen Heeres der Niederlande mit 2.100 Soldaten bereits am 12. Juni dem Kommando der Division Schnelle Kräfte der Bundeswehr unterstellt worden war, soll nach Informationen der „Welt“ nun ein weiterer Verband folgen. „Die Integration der niederländischen 43. Mechanisierten Brigade in die 1. Panzerdivision wird ebenso angestrebt“, heißt es in einem Schreiben des Inspekteurs des Heeres, Generalleutnant Bruno Kasdorf, an den Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Hans-Peter Bartels (SPD).

„Erste Maßnahmen dazu sind eingeleitet.“ Wie aus dem der „Welt“ vorliegenden Brief weiter hervorgeht, soll an der Artillerieschule des Deutschen Heeres in Idar-Oberstein künftig eine gemeinsame Ausbildung „taktische Feuerunterstützung“ mit den Niederländern etabliert werden. Belgien werde sich ebenfalls daran beteiligen, auch Österreich und Frankreich hätten Interesse an der Einrichtung bekundet, schreibt Kasdorf. Der Heeresinspekteur berichtet außerdem von Gesprächen mit der polnischen Armeeführung. Danach sei auf der Ebene der Inspekteure vereinbart worden, „den Austausch von Einheiten/Verbänden (in ähnlicher Form wie mit den Niederlanden) zu untersuchen“. Der SPD-Verteidigungsexperte Bartels begrüßte diese Pläne. Angesichts schwindender Ressourcen der nationalen Streitkräfte und den sicherheitspolitischen Herausforderungen in UN, Nato sowie EU sei die Integration der europäischen Streitkräfte ein Gebot der Rationalität: „Die Stunde ist gekommen, nun endlich konkrete Schritte in Richtung der europäischen Armee zu gehen.“ Der engere Verbund der europäischen Streitkräfte ist auch im Koalitionsvertrag von Union und SPD vereinbart. Gleichzeitig verlangte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, dass auch Deutschland bereit sein müsse, seine Soldaten dem Kommando seiner Partner zu unterstellen. Wenn das Heer jetzt mit Polen über eine Kooperation spreche, „dann sollten wir die Bereitschaft signalisieren, auch einen Verband aus Deutschland einer polnischen Division zu unterstellen“. Das gelte auch für die Zusammenarbeit mit den Niederländern, für die Bartels schon ein konkretes Projekt im Auge hat: „Deutschland sollte darüber nachdenken, ob wir wirklich amphibische Fähigkeiten bei der Marine aufbauen müssen.“ So plant die Deutsche Marine derzeit noch die Beschaffung von zwei sogenannten „Joint Support Ships“. Kostenpunkt pro Schiff: rund 400 Millionen Euro. „Niederländer, Dänen oder Briten haben solche Schiffe bereits“, so Bartels. „Also liegt es nahe, das Modell der Heereskooperation in diesem Bereich auf die Marine zu übertragen – nur mit dem Unterschied, dass die Niederlande die Federführung übernehmen und wir einen Beitrag leisten.“

Über dts Nachrichtenagentur

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