CDU-Politikerin gibt Union Mitschuld am AfD-Erfolg

CDU-Parteitag, über dts Nachrichtenagentur
Foto: CDU-Parteitag, über dts Nachrichtenagentur

Berlin – Die sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann hat scharfe Kritik am Umgang der Union mit der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD) geäußert und CDU/CSU eine Mitschuld am Erfolg der Eurokritiker gegeben. Die AfD besetze einige der ursprünglichen Kernthemen der Union wie Sicherheit, Währung, Familie. „Die hat die Union in großen Teilen dem Zeitgeist geopfert. Das rächt sich jetzt bitter“, sagte Bellmann dem „Handelsblatt“ (Online-Ausgabe).

„Wenn die Unionsspitze davon spricht, wegen der AfD nicht vom Kurs der Partei abweichen zu wollen, dann fragen sich einige, gerade in Zeiten der Großen Koalition zurecht, was denn dieser Kurs überhaupt ist und wo er hinführt“, fügte Bellmann hinzu. „Manchmal lässt sich ja der Eindruck nicht vermeiden, dass sich die Union immer weiter nach links jenseits der Mitte bewegt.“ Bellmann, die auch Mitglied im konservativen Berliner Kreis in der Union ist, warnte ihre Partei davor, die AfD und ihre Wahlerfolge kleinzureden. „Ich glaube nicht, dass die AfD eine reine Modeerscheinung ist oder nur Protestler bündelt“, sagte die CDU-Politikerin. „Es ist auch einfach zu platt, die AfD nur in die rechtsradikale Ecke stellen zu wollen.“ Die Partei appelliere in vielen Bereichen an den „gesunden Menschenverstand“ und formuliere auch so. „Das verstehen die Menschen viel eher als verklausulierte Programme etablierter Parteien.“ Zu einigen handelnden Personen der AfD habe sie eine differenzierte Meinung, sagte Bellmann weiter. Den Chef der AfD, Bernd Lucke, kenne sie aus der „Allianz gegen den ESM“, die einige Bundestagsabgeordnete und Euro-Rettungsschirm-Kritiker, zu denen auch sie gehöre, ins Leben gerufen hatten. Allerdings seien Luckes „undifferenzierte allzu DDR- und Russland-freundlichen Aussagen und seine Anbiederei gegenüber den Linken schon jenseits von blankem Wahlpopulismus“, betonte Bellmann. „Da spricht einer, der immer die Vorzüge einer freiheitlichen Demokratie genießen konnte und nie sozialistische Systeme – weder das DDR- noch das Sowjetsystem – erfahren und ertragen musste.“

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