Bundesregierung fürchtet Verlagerung der Westbalkan-Fluchtroute

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Die Flüchtlingsströme aus der Türkei haben sich in den letzten Wochen von der Westbalkanroute tendenziell nach Bulgarien verlagert. Davor warnt der als vertraulich eingestufte (Geheimhaltungsstufe: „VS-NfD“) Bericht des „Gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrums Illegale Migration“ (GASIM), der „Bild“ (Mittwoch) vorliegt. In dem vom Bundeskriminalamt (BKA), dem Bundesnachrichtendienst (BND), der Bundespolizei und anderen relevanten Behörden gemeinsam verfassten Bericht heißt es: „Aufgrund der Maßnahmen in der Ägäis fokussieren sich Schleuser-Gruppierungen stärker auf die Route aus der Türkei über Bulgarien und auf den Landweg nach Westeuropa.“

Dort seien „entsprechende Organisationen“ seit Jahren aktiv. Zwar demonstriere Bulgarien „weiterhin die politische Entschlossenheit, einer möglichen Routenverlagerung sowie der illegalen Schleusungskriminalität entgegenwirken zu wollen“, doch deuteten die Migrationszahlen des Landes auf erhebliche „Kontrolllücken bei der Einreise“ und auf vermehrte „Schleuseraktivitäten“ hin. Der GASIM-Bericht warnt weiter, dass im Fall der Verlagerung der Flüchtlingsroute die „personell und materiell“ strapazierte bulgarische Polizei „kurzfristig überfordert“ sein könnte. Der Grund dafür ist hauptsächlich in der Finanzschwäche des Landes zu sehen. Als mögliche Reaktion auf eine Verlagerung der Flüchtlingsroute in Richtung Bulgarien zieht die bulgarische Regierung in Sofia laut GASIM-Bericht sogar die „Errichtung eines Grenzzauns der griechisch-bulgarischen Grenze“ – zumindest abschnittsweise – in Betracht.

Grenzzaun zwischen Mazedonien und Griechenland, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Grenzzaun zwischen Mazedonien und Griechenland, über dts Nachrichtenagentur