Bundesagentur für Arbeit will Tarifvertrag für Jobcenter-Mitarbeiter

Jobcenter in Halle, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Jobcenter in Halle, über dts Nachrichtenagentur

Berlin – Die Führungsspitze der Bundesagentur für Arbeit (BA) fordert für die Mitarbeiter in den Jobcentern einen einheitlichen Tarifvertrag, um ihre Bezahlung fairer zu gestalten. Es sei nicht vertretbar, dass es in den mehr als 300 von den Kommunen und der BA gemeinsam geführten Einrichtungen für Hartz-IV-Empfänger „immer noch nicht für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn gibt“, sagte Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Nürnberger Behörde, der „Süddeutschen Zeitung“ (Montagsausgabe). „Wegen der unterschiedlichen Arbeitgeber können die Einkommensunterschiede brutto monatlich bis zu 800 Euro betragen“, kritisierte Alt.

Die 60.000 Mitarbeiter benötigten deshalb einen einheitlichen Tarifvertrag mit einer guten und adäquaten Bezahlung. Schließlich gehöre ihre Arbeit zu den anspruchsvollsten Jobs im deutschen Sozialstaat. Das Personal in diesen Jobcentern wurden zum Teil von der Telekom, Post und Bahn ausgeliehen. Einige werden von Städten, Gemeinden und der Bundesagentur auf Abruf zugewiesen. Wieder andere sind extern Eingestellte, die sich im Schnelldurchgang das ABC des Sozialrechts aneignen müssen. Sie seien „der größte Betrieb in der Republik ohne eigenes Personal geblieben“, sagte das BA-Vorstandsmitglied und fügte hinzu: „Wir sind froh, wenn jemand länger als 24 Monate bleibt.“ Alt wünscht sich deshalb einen Etat für eine professionelle Personalentwicklung, um jährlich etwa 1.500 Nachwuchskräfte für die Jobcenter zu gewinnen und auszubilden. Die Ausgaben von grob geschätzt 50 Millionen Euro im Jahr rechneten sich schnell. „Wir brauchen nicht einfach bloß mehr Personal, sondern mehr professionelles und stabiles Personal mit Empathie für die Menschen, guten Kontakten in die örtliche Wirtschaft und Erfahrung.“ Nach Angaben der Bundesagentur wurde die Belegschaft in den Jobcentern seit Einführung der Hartz-Gesetze einmal komplett durchgewechselt. Etwa 15 Prozent der Mitarbeiter gingen im Jahr, in Jobcentern in Großstädten könne die Fluktuation bis zu 20 Prozent betragen. Die Aufstiegschancen gelten als gering. Die Personalräte in den Jobcentern hatten zuletzt über fehlende, qualifizierte Betreuer, ständige Personalwechsel und schlechte Arbeitsbedingungen geklagt.

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