Broschüre für Angehörige von suchtkranken Senioren in Stuttgart vorgestellt

suchtfragenHelfen und Hilfe finden Landesstelle für Suchtfragen und BARMER GEK stellen Broschüre für Angehörige von älteren suchtkranken Menschen vor

Bereits am Tag des älteren Menschen 2013 hatten die Landesstelle für Sucht-fragen (LSS) und BARMER GEK das Thema „Sucht im Alter“ ganz oben auf die Agenda gesetzt.

Heute stellten sie in Stuttgart eine Broschüre vor, die Angehörige darüber informiert, wie man eine Suchterkrankung bei älteren Menschen erkennen kann, wie man im Fall einer Sucht hilft und wo man als Angehöriger selber Hilfe findet.

Die Broschüre „Gesund und unabhängig im Alter – Informationen für Angehörige und nahestehende Menschen“ behandelt den problematischen Konsum von Alkohol, Tabak und Medikamenten bei älteren Menschen. Sie zeigt, welche Faktoren eine Sucht im Alter begünstigen, welche Anzeichen für einen krankhaften Konsum sprechen und wie mit der Abhängigkeit umgegangen werden kann. Die kostenlose Broschüre ist ab sofort in den Suchtberatungsstellen vor Ort und bei der Landesstelle für Suchtfragen erhältlich.

„Menschen, die etwa bei ihren Eltern oder Großeltern einen problematischen Konsum von Alkohol, Tabak oder Medikamenten wahrnehmen, reagieren häufig mit Betroffenheit und ziehen sich zurück“, weiß Christa Niemeier, Referentin der LSS und Autorin der Broschüre. „Das ist verständlich, aber wenig hilfreich. Wichtig ist, zuerst die eigene Betroffenheit zu überwinden und dann das Gespräch mit der abhängigen Person zu suchen.“ Doch über das Problem zu reden ist meist schwierig, da sich ältere Menschen eine Abhängigkeit oft nicht selber eingestehen. Die Broschüre gibt Tipps, wie der Einstieg in diesen Dialog gelingen kann.

Wie schwierig dieses Gespräch sein kann, weiß Gabriele König. Die 51-jährige Stuttgarterin hat einen alkoholkranken Vater. Seit April 2014 befindet sich der 75-Jährige in Therapie. „Von Außenstehenden lassen sich die Betroffenen bisweilen eher etwas sagen als von Angehörigen.“ Obwohl Alkoholsucht eine Krankheit ist, würden sich viele Betroffenen schämen und die Angehörigen zu lange schweigen, glaubt König. „In dieser Situation ist es wichtig, nicht aufzugeben und sich gegebenenfalls Hilfe von außen zu holen. Mitleid und mit leiden bringt gar nichts.“

Die Barmer GEK unterstützt die Produktion des Booklets. „Suchtprävention ist für uns eine wichtige Aufgabe“, sagt Harald Müller, Landesgeschäftsführer der BARMER GEK Baden-Württemberg. „Um zu verhindern, dass Menschen in eine Suchtspirale geraten, sind frühzeitige und gezielte Interventionen nötig. Hinzu kommt, dass vor allem der Alkohol- und Medikamentenmissbrauch bei den über 60-Jährigen durch die demografische Entwicklung an Bedeutung gewinnt.“ Rund 28 Prozent der über 65-jährigen Männer und 18 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe überschreiten die Grenzwerte für einen risikoarmen Alkoholkonsum. „Bei den Medikamenten gehen wir allein bei den starken Schlafmitteln, den Benzodiazepinen, von bis zu 1,9 Millionen Abhängigen in Deutschland aus. Davon sind zwei Drittel älter als 65“, so Müller.

Was die Tabaksucht betrifft, so raucht bei den 60- bis 65-Jährigen jeder vierte Mann und jede sechste Frau, im Alter von 70 bis 75 Jahren sind es immerhin noch jeder siebte Mann und jede 15. Frau. Dem Gesundheitssystem entstehen durch Suchttherapie und die Behandlung von Folgeerkrankungen erhebliche Kosten. Müller: „Wir können es uns auch schlicht nicht leisten, das Thema Sucht im Alter zu ignorieren.“ Dabei dürfe man die Angehörigen nicht außen vor lassen. „Die Sucht zieht Kreise“, so Müller. Nicht selten endet diese ständige Überforderung der Angehörigen in Erschöpfung oder sogar in einer Depression. Ähnliche Erfahrungen machte auch Gabriele König. „Die Sucht meines Vaters hat mich ständig begleitet, auch nachts und im Job. Ich habe angefangen, mit den Zähnen zu knirschen, litt unter Schlafstörungen. Auf der Arbeit war ich immer öfter niedergeschlagen und unkonzentriert.“ Christa Niemeier ergänzt: „Viele Angehörige möchten sich und die Betroffenen vor den Folgen der Sucht schützen und überlasten sich dabei selbst. In unserer Broschüre zeigen wir auch auf, dass Hilfe ihre Grenzen hat und wo Helfer selber Unterstützung finden.“

 

Die Broschüre liegt ab sofort landesweit in allen Suchtberatungsstellen aus, sie kann bei der Landesstelle für Suchtfragen bestellt und unter www.suchtfragen.de als pdf heruntergeladen werden.

140728_PM_Broschüre für Angehörige von suchtkranken Senioren

140728_Broschüre gesund und unabhaengig im alter

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