Bodensee – Der Sturm von Freitagabend

Bodensee/Überlingen | 26.08.2011 | 11-859

Wasserwacht-BootAm Freitagabend, 26.08.2011, wurde der Rettungsleitstelle Bodenseekreis um 20.19 Uhr, im Verlauf der Sturmwarnung eine mit zwei Personen besetzte gekenterte Segeljolle, in der Mauracher Bucht, auf Linie Seefelden-Litzelstetten, gemeldet. Aufgrund des aufbrausenden Sturmes mit Windstärken um 8 bis 9 Beaufort (etwa 80 km/h) herrschte starker Seegang im Einsatzgebiet. Der Mitteiler, der dies von Konstanz-Litzelstetten aus beobachtete, lotste das herannahende Polizeiboot der WSP Überlingen zur vermeintlichen Einsatzstelle. Vor Ort konnten jedoch kein gekentertes Boot und auch keine Personen im Wasser festgestellt werden. Mit den ebenfalls schnell eintreffenden DLRG-Booten aus Meersburg, Sipplingen und Konstanz wurde sofort eine Suchkette gebildet. Das kurze Zeit später eintreffende Feuerlöschboot „Friedrichshafen“ wurde in die Suchkette eingegliedert.

 

Im Verlauf der Suche mussten die DLRG-Boote aus Meersburg und Sipplingen wegen zu starkem Seegang und möglicher Eigengefährdung aus dem Einsatz herausgelöst und in den Hafen Uhldingen beordert werden. Wie sich im Einsatzverlauf herausstellte, waren kurz vor Eintreffen der Einsatzkräfte zwei Segelboote mit jeweils einem erfahrenen Regattasegler an Bord, tatsächlich auf der genannten Peil-Linie etwa in Seemitte gekentert. Die Segler konnten die Jollen jedoch selbständig wieder aufrichten. Danach hatten die Segler die Segel eingeholt und sich anschließend unter Topp und Takel in Richtung Uhldinger Hafen treiben lassen. Diesen haben sie auch unbeschadet erreicht. Aufgrund der sehr schlechten Sicht, des starken Seegangs, der einsetzenden Dunkelheit und einer fehlenden Nachtbezeichnung an den Segelbooten blieb dies sowohl dem Mitteiler als auch den Einsatzkräften vor Ort verborgen. Aufgrund der Sachlage wurde der Sucheinsatz um ca. 22.00 Uhr beendet. Alle waren froh und erleichtert, dass weder die gesuchten Segler, noch die Einsatzkräfte zu Schaden gekommen sind. Wie immer in solchen Fällen muss nun geprüft werden, ob die Segler, in Anbetracht des schon lange in allen Medien angekündigten Unwetters, der bereits seit 19.15 Uhr ausgelösten Starkwindwarnung, die um 20.09 Uhr auf Sturmwarnung erhöht wurde, die nötige Sorgfalt an den Tag gelegt haben. Wenn nicht, dann müssen die Segler damit rechnen, für die Kosten des Einsatzes aufkommen zu müssen.

Während die Suche nach den beiden Seglern vor Uhldingen andauerte, teilte ein weiterer Anrufer am Freitagabend der Rettungsleitstelle um 21.41 Uhr mit, dass am Gastanleger bei der Landestelle in Sipplingen, ein dort festgemachtes Oldtimer-Dampfschiff, zu sinken droht bzw. der Schwimmsteg abreißen könnte. Aufgrund des ungewöhnlich starken Seegangs und der für diese Witterungsverhältnisse unsachgemäß und unseemännisch angebrachten Festmacherleinen, stampfte das Boot wild auf ab, wobei zeitweise Wasser ins Innere gelangen konnte. Nach der ersten Information schien der Eigner des Dampfschiffes ortsabwesend und nicht erreichbar. Nach Ende des Sucheinsatzes vor Uhldingen wurde die Örtlichkeit mit dem Polizeiboot beschleunigt angefahren. Nach Eingang der Meldung war vorsichtshalber sofort ein Beamter der Rufbereitschaft der Wasserschutzpolizei Überlingen verständigt worden, um die Sache vor Ort zu begutachten, und gegebenenfalls Hilfe zu leisten. Da der Sturm zwar noch andauerte, aber ganz allmählich abflaute und der Deutsche Wetterdienst im Zuge der Abklärung eher eine Abnahme des Windes im Laufe der Nacht erwarten ließ, wurde der Eigner angewiesen, zusammen mit Hafenmeister weitere Sicherungsleinen sowohl für den Steg als auch das Schiff anzubringen. Die FFW Sipplingen wurde vorsorglich verständigt, um größeren Schaden abzuwenden und Lenzpumpen bereit zu halten. Das Dampfschiff und der Steg haben die Nacht dank des abziehenden Unwetters doch noch unbeschadet überstanden. Unter Berücksichtigung der Lage des Schwimmstegs sollte dort im Allgemeinen und ganz besonders in Ankündigung und sicherer Erwartung eines solchen Unwetters, kein Fahrzeug längere Zeit unbeaufsichtigt Stillliegen. Es muss auch bei diesem Sachverhalt geprüft werden, ob sich der für das Dampfschiff verantwortliche Eigner pflichtgemäß verhalten hat. Am vergangenen Mittwoch hatte sich auch schon ein Motorboot aufgrund unzureichender Sicherung bei Sturmlage vom Steg bei der Haltnau losgerissen und musste im nächtlichen Einsatz von der Wasserschutzpolizei Überlingen geborgen werden. Die Wassersportler werden deshalb ausdrücklich gebeten, ihre Fahrzeuge unter vorsorglicher Beachtung der Wetterentwicklung gegebenenfalls besonders zu sichern und unter Beachtung der Grundsätze einer guten Seemannschaft festzumachen. Ansonsten müssen sie damit rechnen, dass sie für die Kosten des Einsatzes aufkommen müssen.

Am frühen Samstagmorgen wurden der WSP-Station Überlingen durch den Hafen-meister des Sportboothafens Sipplingen mehrere Schiffsunfälle gemeldet, die sich durch den Sturm in der Nacht vom 26.08.2001 zum 27.08.2011 ereigneten. Dabei war an der Außensteganlage des genannten Hafens durch den heftigen Sturm und damit einhergehenden Wellengang die Hafeneinfahrtsbeleuchtung aus der Halterung gerissen und beschädigt worden. An den offiziellen Liegeplätzen am Außensteg waren 6 Boote zum teil schwer beschädigt worden. Ein Boot ist gesunken.

Der Sachschaden beläuft sich auf ca. 45. 000 – 50.000 €.

Ein am landseitigsten Liegeplatz festgemachtes Motorboot schlug aufgrund des außergewöhnlich starken Seegangs mit dem Bug an der Uferböschung auf und war aufgrund des Wassereinbruchs gesunken. Das Heck lag auf dem Grund. Der Diesel-tank des Bootes wurde durch den heftigen Wellenschlag aus der Verankerung geris-sen. In diesem Zusammenhang sind ca. 10 Liter Dieselkraftstoff ausgelaufen und in den Bodensee gelangt. Der auslaufende Kraftstoff wurde durch Wind und Wellen-schlag überwiegend in den genannten Hafen getrieben. Eine geringe Menge des Kraftstoffs verteilte sich am Ufer und auf dem Bodensee. Durch die Feuerwehr wurde eine Schlauchsperre um die Unfallstelle und die Hafeneinfahrt gelegt. Der auf dem Wasser treibende Kraftstoff wurde mit Bindemittel aufgefangen. Eine Gefahr für die Qualität des Trinkwassers und die Trinkwasserentnahmestellen bestand aber zu keiner Zeit. Das gesunkene Boot wurde mittels eines Autokrans gehoben.

Um 10.30 Uhr konnte die Ölsperre durch die Feuerwehr wieder entfernt werden, da kein Dieselkraftstoff mehr auf dem Wasser festgestellt werden konnte.

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