Blaulicht an und los ! (Sondersignal-Fahrt-Trainer)

Text & Foto: Wis

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Eine Woche lang trainieren Feuerwehrler aus dem Landkreis an einem Simulator das Fahren im Einsatz.

„Buaba, toant langsam, s’pressiert!“ Dieser Satz meines Feuerwehr-Ausbilders vor 40 Jahren fällt mir ein, als ich mich ans Steuer des „Sondersignal-Fahrt-Trainers“ setze. Eine Woche lang hatten kürzlich Feuerwehrleute aus dem ganzen Landkreis Neu-Ulm die Gelegenheit, an dem Simulator zu üben, wie es ist, mit Blaulicht und Martinshorn zu einem Notfall zu fahren. Ich war einer von ihnen.

Drei große Bildschirme vor mir simulieren die Verkehrssituation; zwei kleinere daneben dienen als Rückspiegel, und Ausbilder Reiner Greif spielt mir diverse Fahrsituationen ein. „Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person auf der Autobahn“, lautet meine Alarmmeldung. Mit meinem virtuellen Löschfahrzeug soll ich schnellstmöglich, und vor allem sicher, zur Einsatzstelle fahren. Dabei ist „höchste Eile“ geboten. Soll heißen: Blaulicht und Martinshorn an und los geht’s.

Die Statistik (siehe Info) zeigt, dass das Unfallrisiko auf Einsatzfahrten unter Stress um ein Vielfaches höher ist als im normalen Straßenverkehr. Dass es wirklich so ist, erlebe ich bald selbst. Zuerst geht es aus der Feuerwache hinaus durch dichten Stadtverkehr. Ab dem Stadtrand kommen ein paar unübersichtliche Kurven, mit denen mich Ausbilder Reiner Greif an das Lenkverhalten des tonnenschweren Fahrzeuges gewöhnen will. Schließlich soll ich nicht nur das über 300000 Euro teure Gefährt, sondern auch mich und meine acht virtuellen Kameraden sicher zur Unfallstelle und wieder zurück bringen.

Nach ein paar Kilometern Landstraße geht es auf die Autobahn. Zuerst läuft alles wie geschmiert: Das Wetter ist gut, die Straße ist frei, und so beschleunige ich so gut es geht. Doch dann tauchen die Probleme auf, mit denen die Feuerwehr auch in der Realität immer wieder zu kämpfen hat. Zunächst hält mich ein notorischer „Linksfahrer“ auf, der erst im allerletzten Moment das Steuer nach rechts reißt, um mir Platz zu machen. Trotzdem muss ich kräftig „in die Eisen“ treten, um einen Unfall zu verhindern. Kurz darauf tauchen unzählige Bremslichter auf meinem Bildschirm auf. Es ist der Stau, den der Unfall, zu dem ich gerufen wurde, verursacht hat. Ich bremse langsam ab und hoffe, dass die wartenden Autofahrer eine „Rettungsgasse“ frei lassen. Fehlanzeige. Kaum einer fährt auf die Seite, um mich, wie es eigentlich vorgeschrieben ist, in der Mitte durchfahren zu lassen. Selbst Blaulicht und Martinshorn erzielen nur langsam die erhoffte Wirkung.

Im Stress passiert das Unglück

So bleibe ich ungeduldig auf der mittleren Spur und warte, bis vor mir nach und nach die Autos Platz machen. Doch dann passiert mir genau das, was nicht sein darf: Im Stress achte ich nicht genau auf die Geschwindigkeit meiner Vorderleute und halte zu wenig Abstand. Plötzlich bremst die ganze Kolonne vor mir ab; ich bemerke es zu spät und krache auf die beiden vor mir fast zum Stehen gekommenen Autos. Die Bildschirme werden schwarz. „So, jetzt hast du gleich die nächste Unfallstelle aufgemacht“, kommentiert ein Feuerwehrkamerad hinter mir. Was bin ich froh, dass ich nur am Steuer eines Simulators saß.

Info:

Feuerwehr-Einsatzfahrer haben u.a. folgende Grundsätze zu berücksichtigen: Sicherheit geht vor Schnelligkeit – z. B. ergeben sich selbst bei Erhöhung der Geschwindigkeit von 50 auf 70 km/h nur 20 Sekunden Zeitgewinn pro Kilometer. Eine Einsatzfahrt mit Sonderrechten hat im Vergleich zu alltäglichen Autofahrten ein vielfach erhöhtes Unfallrisiko: 4-fach für einen tödlichen Unfall, 8-fach für einen Unfall mit Schwerverletzten und 17-fach für einen Unfall mit hohem Sachschaden. (Quelle: Landesfeuerwehrverband Bayern)