Bericht: 375.000 Bankkunden stoppen automatischen Kirchensteuerabzug

Euroscheine, über dts Nachrichtenagentur
Foto: Euroscheine, über dts Nachrichtenagentur

Berlin – Viele Menschen halten Bank und Religion offenbar lieber getrennt: Wie die „Welt“ unter Berufung auf Zahlen des Bundesfinanzministeriums berichtet, untersagen 375.000 Kunden ihrem Kreditinstitut, künftig automatisch Kirchensteuer an den Fiskus abzuführen. Sie hätten einen entsprechenden Sperrvermerk beantragt. Für das kommende Jahr ist erstmals ein automatischer Abzug der Kirchensteuer auf Kapitalerträge geplant.

Dafür fragen die Banken die Kirchenmitgliedschaft ihrer Kunden beim Bundeszentralamt für Steuern ab. Liegt ein Sperrvermerk vor, erhalten sie keine Auskunft über die Religion des Kunden, schreibt die „Welt“. Der Kunde muss die Kirchensteuer auf Zinsen, Dividenden und andere Kapitaleinkünfte dann weiterhin im Rahmen der Steuererklärung abführen. Bis zum 30. Juni konnten Kunden dagegen Einspruch einlegen. Wie die „Welt“ weiter berichtet, gibt es darüber hinaus grundsätzliche Probleme bei der Umsetzung der neuen Regelung. So fehlten Banken von vielen Kunden immer noch die Steueridentifikationsnummern, die für die Abfrage der Religion unerlässlich seien. Grund seien technische Probleme beim Abgleich der Kundendateien der Banken und der Steuerdatei der Bundeszentrale für Steuern. Unter anderem hätten Steuernummern wegen unterschiedlicher Schreibweisen von Wohnorten wie Frankfurt am Main und Münster in Westfalen nicht eindeutig zugeordnet werden können. Allein die PSD Banken mit ihren insgesamt 1,3 Millionen Kunden müssten deshalb in den kommenden Tage noch einmal 60.000 Kunden anschreiben, um nach den Steuernummern zu fragen, heißt es weiter. Lägen bis Ende August nicht alle Nummern vor, könne der automatische Abzug der Kirchensteuer 2015 nicht flächendeckend starten.

Über dts Nachrichtenagentur

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